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Höchstleistungen

Was macht Sportler erfolgreich, was Volkswirtschaften? Im Nachklang der olympischen Sommerspiele einige Gedanken dazu, welche Faktoren für das Gelingen wesentlich sind.

Hoechstleistungen

Die olympischen Sommerspiele haben viele Bilder hinterlassen: von Medaillen, Freudentränen und Stolz, herrliche Aufnahmen von Stränden mit teilweise imposant inszenierten Sportarenen, aber auch Bilder vom Schmerz der Niederlage, der Konsternation über Nichterreichtes. Dazu kommen die Bilder von Favelas und einer Infrastruktur, die so gar nicht zu den Höchstleistungen der Supersportler passt. Sind es dieselben Faktoren, die zum Erfolg von Sportlern und Volkswirtschaften führen, oder unterscheiden sie sich? 

Eine sportliche Höchstleistung basiert auf Talent, Training, dem richtigen Trainer und einer idealen Trainingsgestaltung in einem passenden Umfeld. Dazu kommt der unbändige Wille, sich selbst zu überwinden und im Wettkampf die letzten Reserven zu mobilisieren. Bei Mannschaftswettkämpfen braucht es zudem Teamgeist und eine optimale Kombination der Einzelspieler.

Ein wichtiger Grundstein für eine erfolgreiche Volkwirtschaft hingegen ist ein repräsentatives Regierungssystem. Die Einbindung aller politisch relevanten Kräfte sichert die breite Abstützung in der Bevölkerung. Dann dienen Entscheide der Mehrheit und nicht spezifischen Minderheiten. Zudem können Fragen breit diskutiert und mögliche Risiken nicht einfach ausgeblendet werden.

Im Spitzensport nimmt man gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle als gegeben an. So hat nicht ein Läufer 101 Meter zu sprinten, während der Gegner schon nach 99,5 Metern ins Ziel läuft. Alle bekommen dieselben Chancen, und genauso muss es auch in einer erfolgreichen Volkswirtschaft sein. Alle Akteure haben dieselben Bedingungen und kennen diese auch. Gesetze und Regulierung ermöglichen einen möglichst freien Markt(-zutritt) und verhindern Monopolbildung und Preisabsprachen.

Im Sport befinden Schiedsrichter darüber, ob die Regeln eingehalten, ein Ball noch touchiert, eine Laufbahn übertreten oder ein Gegenspieler im Abschuss behindert wurde. Vergehen werden mit Verwarnungen, Zeitzuschlägen oder Strafminuten geahndet. In einer erfolgreichen Volkswirtschaft ist die rechtliche Gleichbehandlung – also das Anwenden der gleichen Gesetze für gleiche Fälle und desselben Strafmasses für alle Fehlbaren – ein Garant für Rechtstaatlichkeit und damit auch für das Vertrauen in Behörden und Verwaltung.

Bei den olympischen Spielen in Brasilien haben unzählige Helferinnen und Helfer im Hintergrund für die Infrastruktur, für die Betreuung und vermutlich auch für die Sicherheit gesorgt. Nicht nur das offizielle Engagement der Beauftragten, auch die Unterstützung zahlreicher Freiwilliger liessen die Spiele zum Erfolg werden. Auch ein Land ist auf Freiwillige, auf eine starke Zivilgesellschaft angewiesen: für Behördenämter, für Feuerwehren, für Alten- und Kinderbetreuung, in Sport- und Musikvereinen. Es gibt unzählige Aufgaben, die in einem Land ohne grosse finanzielle Anreize von vielen Schultern zu tragen sind. Je grösser die Identifikation des und der Einzelnen mit dem eigenen Land, mit der Gemeinde ist, desto eher setzt man sich freiwillig zugunsten der Gemeinschaft ein.

Sport wie Länder, Topathleten wie erfolgreiche Volkswirtschaften brauchen gute Voraussetzungen. Einen Teil davon kann man schaffen oder zumindest beeinflussen. Bei den Sportlern sind dies Training und Wille. Erfolgreiche Volkswirtschaften brauchen eine breite politische Abstützung, fairen Wettbewerb, klare Regeln und eine starke Zivilgesellschaft. Es sind nicht dieselben Faktoren, die den Erfolg ausmachen. Aber man kann sowohl für den Sport als auch für Volkswirtschaften benennen, was Erfolg ermöglicht. In beiden Fällen braucht es am Ende jedoch noch etwas Weiteres – ein wenig Glück!

An der Schule für Wirtschaft und Management werden in verschiedenen Fächern aktuelle Themen aus den unterschiedlichsten Sichtweisen beleuchtet, damit die Studierenden fundiert und aktiv zur objektiven Meinungsbildung beitragen können.

Autor:
Bruno Sauter, Amtschef/Generaldirektor Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA), Kanton Zürich
Publiziert am 5.10.2016 im Auftrag von der Schule für Wirtschaft und Management

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