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Hat die Schweiz einen Bildungsdschungel?

Vorab stellt sich die Frage was der Sinn von Bildung ist: Bildung soll Menschen auf neue Situationen vorbereiten und ihnen die Zuversicht und die Fertigkeiten geben, diese auch bewältigen zu können. So vielfältig Menschen sind, so vielfältig sind auch ihre Bildungsbedürfnisse und die des Arbeitsmarkts. Veränderte Lebens- und Beschäftigungsverhältnisse verlangen nach Veränderungen in Ausbildungsangeboten. Ein gut funktionierendes Bildungssystem kräftigt den Einzelnen sowie die Volkswirtschaft und hilft bei Folgen aus strukturellen Branchenveränderungen und Wirtschaftskrisen.

AKAD Business - Bildungslandschaft Schweiz auf einen Blick
Darum ist es wichtig, das Bildungssystem zeitnah den sich verändernden ökonomischen und gesellschaftspolitischen Anforderungen anpassen zu können. Nur so können die Bedürfnisse der Nachfragenden in ihrer Vielfalt erfasst und sich auf sie eingestellt werden. Gerade massgeschneiderte, flexible Ausbildungskonzepte und belastungsgerechte Zeitmodelle schaffen die optimalen Voraussetzungen für den individuell besten Bildungsweg.

Dass dies auf den ersten Blick aus Sicht der Bildungsnachfragenden zu einer Menge unüberschaubarer Bildungsangebote führt und damit den Vergleich „Bildungsdschungel“ provoziert, ist nachvollziehbar.  Mit der Bildungsvielfalt eröffnen sich jedoch private Chancen und berufliche Perspektiven, die mit dem herkömmlichen, an den Massenbedürfnissen ausgerichteten Angeboten nicht vorhanden gewesen wären. Gerade das breite Spektrum an Berufen und Bildungsangeboten sichert die optimale Integration der Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt.

Damit diese bildungspolitischen Prozesse effektiv und effizient ablaufen können, braucht es in der Bildungspolitik die Teilnahme aller Akteure – auch der Schulen und ihrer Organisationen.

Die Schulen stellen sich der permanenten Herausforderung, die Bedürfnisse von Arbeitsmarkt, Bildungsteilnehmenden und schulischer Bildungsstätte in Einklang zu bringen. Im Gegensatz zu dieser tragenden Rolle in der täglichen Bildungspraxis ist der Einfluss der Schulen in der Berufsbildungspolitik heute noch gering.

Im Spannungsverhältnis zwischen nachgefragtem Kompetenzbedarf und angebotener Kompetenzvermittlung führen Schulen täglich Gespräche mit Bildungsnachfragenden und -teilnehmenden. Im Kontakt zu Firmen, die oft auch für einen Teil der Ausbildung ihrer Mitarbeiter die Verantwortung übernehmen, erhalten Schulen wichtige Hinweise zu den im Berufsfeld benötigten Kompetenzen.

Die Bildungsplanung in der Politik sieht ihre Hauptaufgabe in der Beschäftigungssicherung und der Sicherung des Wirtschaftswachstums. Das Ausblenden der Arbeitsmarktsituation aus der Optik der Arbeitskraftanbietenden führt jedoch zu einer einseitigen Steuerung des Berufsbildungssystems. Nur die Einbindung aller Akteure, und damit auch der Schulen, lässt eine Bildungsplanung zu, die ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage an qualifizierten Arbeitskräften fördert. 



Autorin:  Claudia Zürcher, Direktorin AKAD Business AG                                                                                                           
  Dieser Text ist auch im SKO Leader 4/15 erschienen.

 

 

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