AKAD Claim Banking+Finance

Donnerstag, 14. Juli 2016

Als „Topshot“ wurde der Redner schon vergangenes Jahr angekündigt, die NZZ titelte jüngst in einem Porträt ganz lapidar: „Ein Kraftwerk“. Die am Abend des 30. Mai erschienen rund 100 Gäste wurden dann auch nicht enttäuscht. Mit Barend Fruithof hatte die AKAD Höhere Fachschule Banking und Finance tatsächlich einen prominenten Redner für ihren Abendanlass gewonnen. Fruithof ist Mitglied der Geschäftsleitung der Bank Julius Bär und für die Region Schweiz verantwortlich. Er schilderte seine Sicht für die Zukunft der Branche.

AKAD Banking+Finance - Alumni-Anlass
Barend Fruithof, GL-Mitglied der Bank Julius Bär

Einleitend begrüsste Heinz Schweizerhof, Schulleiter der HFBF, die Gäste und stellte den Redner kurz vor. Fruithof‘s beeindruckender Werdegang führte nach einer Ausbildung zum Bauer über die Station des Finanzchefs des Bauernverbands in die Bankwelt. Dort war er bei der ZKB, Raiffeisen und Credit Suisse in leitenden Positionen tätig, bevor er vergangenen Herbst zu Julius Bär wechselte. „Aktuelle Herausforderungen auf dem Bankenplatz Schweiz stellen neue Herausforderungen an die heutigen Berater“ war Fruithof‘s Vortragstitel.

Bankbranche vor zahlreichen Herausforderungen
Zunächst folgte ein Überblick der grössten Herausforderungen für die Branche. Fruithof ging auf die Regulierung und die Beraterhaftung ein. Dann zeigte er den grossen Konsolidierungsdruck auf, der zu einer Redimensionierung des Bankensektors führe. Dazu komme der Druck, sich durch neue Technologien und die Digitalisierung zu verändern. Allerdings dürfte das nicht so rasch gehen, wie meist angenommen wird. Schon beim Aufkommen des Internets im Jahr 2000 seien die anschliessenden Veränderungen nicht so rasch wie prognostiziert erfolgt. Und selbst wenn disruptive Fintechs wie etwa Lending Club grossen Erfolg hätten, würde schon bald der Regulator auf sie aufmerksam werden und das immer bankenähnlichere Geschäft erfassen.

Allerdings beleuchtete Fruithof auch die unvermindert starke Position der Schweiz im Private Banking und vor allem im Offshore-Geschäft. Insgesamt liefere das Private Banking rund 50 Prozent der Gesamterträge aller Banken. Zwei Drittel davon stammten aus dem Offshore-Geschäft mit Vermögen, die in der Schweiz und damit ausserhalb des Heimatlandes ihres Eigentümers betreut werden. Das Geschäftsmodell des Schweizer Private Bankings baut darauf, dass man es nicht ins Ausland verlagern kann, betonte Fruithof. Das Private Banking ist für ihn sogar eine „unbekannte Exportindustrie“.

Bankberater sind Differenzierungsfaktor der Zukunft
Er glaubt, dass in Zukunft jene Banken besonders erfolgreich sein werden, denen eine gute Verbindung der digitalen Elemente in der Kundenbetreuung mit der persönlichen Kundenbetreuung gelingen wird. Die Beraterpersönlichkeiten werden immer mehr zum entscheidenden Differenzierungsfaktor der Zukunft. Waren Private Banking-Berater früher vor allem Anlageberater, müssen sie künftig immer mehr life-cycle orientiert arbeiten. Als Beispiel wählte Fruithof den möglichen Brexit: Ein Berater muss angesichts solcher Entwicklungen dem Kunden keine Entscheidung abnehmen, sondern ihm Optionen für die denkbaren Szenarien aufzeigen. Der Kunde entscheide selbst, was er für wahrscheinlicher halte.

Schliesslich sprach Fruithof auch über die grosse Bedeutung der Branche für die Schweizer Wirtschaft. Die Wirtschaftsleistung der Bankbranche entspreche der des Detailhandels. Banken seien mittlerweile die grössten IT-Arbeitgeber in der Schweiz. Rund 86 Prozent der Privatkunden seien mit ihrer Bank zufrieden. Eine Stärke des Bankplatzes Schweiz sei die gute Versorgung der im Land ansässigen Unternehmen mit Krediten. Das sei für viele internationale Unternehmen ein Grund, die Schweiz als Standort zu wählen. Fruithof meinte, dass man auf die Schweizer Banken durchaus stolz sein dürfe.

Mehr Stolz auf Schweizer Banken
In der abschliessenden Diskussion trat Fruithof dafür ein, die Banken nicht mit dem Nachweis der Steuerkonformität eingezahlter Gelder zu belasten. Die Steuerkontrolle sei Aufgabe des Staates. Schliesslich verlange von Autoherstellern auch niemand die Geschwindigkeitskontrolle der Käufer. Der Verlagerung von Bankarbeitsplätzen ins Ausland erteilte Fruithof eine Absage. Bei Julius Bär mache man das nicht. In ausgewählten Standorten in Europe werde zwar sehr gut gearbeitet, doch die Lohnkosten würden so rasch steigen, dass der Opportunitätskostenvorteil rasch sinke. Den Ausklang des Abends bildete – traditionsgemäss bei der HFBF - ein reichhaltiger Apero, bei dem sich Gäste und Referent weiterhin über bankfachliche und wirtschaftspolitische Themen austauschten.

Alumni-Anlass AKAD Banking+Finance vom 30. Mai 2016

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