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Montag, 16. November 2015

Tiefe Zinsen und ein durch Zuwanderung unterstütztes Bevölkerungswachstum haben in der Schweiz zu einer nachhaltig hohen Nachfrage nach Wohneigentum geführt. Damit verbunden stiegen nicht nur die Preise für Immobilien, besonders in Ballungszentren, sondern auch das Hypothekarvolumen. Gemäss einem Artikel der NZZ wuchs das Volumen der Hypothekarforderungen in der Schweiz zwischen 2009 bis 2013 mit 19 Prozent deutlich stärker als das Bruttoinlandprodukt, welches um acht Prozent zulegte. Vor diesem Hintergrund sind aufkommende Ängste einer Blasenbildung auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt nachvollziehbar.

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Grafik: Rasches Wachstum der Hypothekenkredite

Das steigende Volumen im Hypothekargeschäft kompensierte die rückläufigen Margen bei den Finanzinstituten. Die grössten Player im Markt sind immer noch die Kantonalbanken, gefolgt von den beiden Grossbanken (UBS und CS) sowie den Raiffeisenbanken.

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Grafik: Die grossen Bankengruppen teilen sich den Markt

Die Gefahr einer Konsolidierung oder sogar eines Rückgang des Kreditgeschäftes fürchtet man vor allem im Falle einer wirtschaftlichen Abkühlung, was auch die Migration entsprechend tangieren würde, es käme dann wohl zu einem Rückgang der Zuwanderung. Die Nachfrage nach Eigenheimen würde dann eine Abkühlung erfahren. Aber sind das wirklich die grössten Gefährdungen für das Zinsdifferenzgeschäft der Banken?


Wenn Bankkunden lieber amortisieren als sparen

Womit institutionelle Kunden, einschliesslich Pensionskassen, bereits konfrontiert werden, ist etwas ganz anderes. Am 16. Oktober 2015 entschloss sich die Alternative Bank Schweiz (ABS) als erste Bank, die von der Schweizerischen Nationalbank verhängten Negativzinsen auf ihre Kunden abzuwälzen. Diese Praktiken dürften bei anhaltend negativem Zinsumfeld Schule machen. Sollten sich weitere Finanzinstitute dazu entschliessen, die Negativzinsen ihren Kunden weiterzureichen, dürfte sich der eine oder andere Sparer sicher überlegen, mit seinem Geld lieber eine offene Hypothek zu tilgen als der Bank eine „Lagergebühr“ für das Geld zu zahlen. Das lohnt sich: Bei einem Hypothekarzins von beispielsweise 1,5 Prozent, zu welchen sich der Negativzins von 0,75 Prozent addieren würde, ergibt eine Hypothekenamortisation einen positiven Zinseffekt von stolzen 2,25 Prozent. Im heutigen Umfeld ein wahrlich gutes Geschäft.


Erosion des Zinsgeschäfts absehbar

Wenn man den Statistiken Vertrauen schenkt, dann schlummern auf vielen Bankkonten beachtliche Barbestände, welche von den Negativzinsen tangiert werden könnten. Wie stark die „Flucht“ in die Amortisation schlussendlich ausfallen wird, ist schwierig abzuschätzen. Nimmt man den Homo oeconomicus als Massstab, dann dürfte das Hypothekargeschäft eine beachtliche Erosion erfahren. Dämpfend dürfte hier sicherlich wirken, dass ein beachtlicher Teil der Hypotheken langfristig fixiert wurde.


Gute Kunden tilgen, die „schlechten“ bleiben Schuldner

Erschwerend für die Banken kommt noch hinzu, dass ja grundsätzlich nur die zahlungskräftigen, qualitativ „guten“ Kunden in der Lage sind, die Hypothek zu amortisieren. All die anderen, bei denen die Tragbarkeit mit viel Goodwill berechnet wurde, werden dazu nicht in der Lage sein. Die durchschnittliche Ausfallwahrscheinlichkeit im Kreditportfolio der Banken erhöht sich demzufolge. Höhere Risiken bedeuten gemäss Basel III automatisch höhere Anforderungen an das Eigenkapital. Dies zu einem Zeitpunkt, wo die Banken bereits Mühe bekunden, dem Swiss-Finish nachzukommen. Die durch den Bundesrat mittlerweile beschlossene Senkung der Mindestverzinsung der BVG-Guthaben auf 1,25 Prozent birgt zusätzliche Motivation, PK-Vorbezüge zur Tilgung der Hypothek zu tätigen.


Fazit: Ein signifikanter Ertragspfeiler der Banken scheint in Gefahr zu sein. Sollte sich die SNB nicht von ihrer Negativzinspolitik abbringen lassen, dürften das Hypothekarvolumen und damit die Zinserträge schmerzlich einbrechen. Am meisten betroffen sähen sich die Regionalbanken, welche ihr Geschäftsmodell schwergewichtig auf dem Zinsdifferenzgeschäft aufgebaut haben. Universalbanken dürften aufgrund der Diversifikation in anderen Geschäftsfeldern etwas mehr Spielraum haben. Die daraus resultierende Verschlechterung des Kreditportfolios der Banken wird die Kapitalkosten der Banken nochmals erhöhen (da bekanntlich das Eigenkapital die teuerste Finanzierungsvariante ist). Die tendenziell längere Anbindung der Hypotheken (Festhypotheken) dürfte den Banken etwas zeitlichen Spielraum und Hoffnung geben, dass der Druck aus dem Zinsumfeld nachlässt.  Zum kostentreibenden Regulierungs-Tsunami kommt so noch eine weitere Herausforderung auf die Schweizer Banken zu.


Heinz Schweizerhof

Zum Autor
Heinz Schweizerhof, Schulleiter AKAD Banking+Finance, Dozierender an der Kalaidos Fachhochschule sowie Geschäftsführer von SCHWEIZERHOF Finanz- und Anlageberatung.




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