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Montag, 18. Mai 2015

Thomas Gygax war Absolvent der HFBF. Heute unterrichtet er im Nebenamt das Fach Führungslehre. Eine einmalige Konstellation. Er äussert sich zu Führungsprinzipien und zur Herangehensweise beim Unterrichten. Mit dem Einbezug der Praxis folgt er einem wichtigen Grundsatz der HFBF.

Authentizität


Sie sind ehemaliger Absolvent der HFBF. Nun unterrichten Sie an dieser Schule das Fach Führungslehre. Wie haben Sie den Schritt vom Absolventen zum Dozenten erlebt?
Thomas Gygax: In meinem Beruf habe ich eine starke Leidenschaft für das Thema Führung entwickelt. Deshalb war es für mich eine grosse Freude und Ehre, diese Begeisterung Studierenden weiterzuvermitteln. Die Nähe zum Studium hat mir den Start insofern erleichtert, als dass mir die Prozesse und die AKAD Methode noch bestens bekannt waren. Aufgrund meines Alters – ich bin erst 27 Jahre alt – entsteht eine optimale Synergie mit einem guten Draht zu den Studierenden. Zudem kann ich über meine Erfahrungen als Student berichten.

Was waren bei diesem Rollenwechsel die Herausforderungen und was hat Sie dabei am meisten überrascht?
Die grösste Herausforderung sah ich in der Akzeptanz bei den Klassen. Mir war bewusst, dass ich beispielsweise auch Geschäftsstellenleiter mit grosser Berufserfahrung unterrichte. Gleich in den ersten Lektionen sollten die Studierenden jeweils ihre Erfahrungen zum Thema Führung schildern und die Erwartungen ans Fach oder an mich als Dozenten artikulieren. Nur so konnte ich individuell auf die Studierenden eingehen und mich ihren Bedürfnissen anpassen. Nebst theoretischen Inhalten konnte ich zahlreiche Praxisfälle und privat erworbenes Wissen in den Unterricht einfliessen lassen. Den aktiven Austausch unter den Studierenden habe ich mit aktuellen Führungsthemen ergänzt. Im Rahmen einer Plattform werden auch unerwartete Fälle besprochen, welche im Führungsalltag der Studierenden auftreten können. Für solche Fälle eine Lösung zu finden, verleiht dem Unterricht einen zusätzlichen Mehrwert.

Wie lässt sich guter Führungsstil knapp umschreiben?
Gut ist eine Cremeschnitte. Ich bin der Meinung, dass sich der Führungsstil jedes Vorgesetzten stets weiterentwickelt und dass die Art des Führens je nach Führungsspanne differiert, ja sogar unterschiedlich ausfallen muss. Die Wahl des Führungsstils muss individuell der Situation angepasst sein. Das Wichtigste ist in meinen Augen die Authentizität. Wer Mitarbeiter leiten darf, muss dies mit voller Überzeugung tun und sich aller Möglichkeiten und Verantwortlichkeiten bewusst sein. Wer diese Leidenschaft ausstrahlt und lebt, ist ein Vorbild. Führungskräfte müssen Vorbild sein. Gute Chefs geniessen nicht nur die sogenannte Schokoladenseite der Führung, sondern sie gehen auch auf sich anbahnende oder bereits bestehende Probleme ein. Die Augen zu verschliessen oder Probleme kleinzureden, ist niemals zielführend. Eine ehrliche, offene und direkte Kommunikation ist für mich dabei der Schlüssel zum Erfolg. Laut Theorie ist Führung zwar erlernbar. Ich denke jedoch, dass es für diesen Tätigkeiten gewisse Grundvoraussetzungen braucht. Dazu gehören eine hohe Sozialkompetenz und gute Menschenkenntnis mit der Fähigkeit zur Empathie. Und man muss sich selber als Führungskraft reflektieren. Wer dies beherrscht, kann auch andere Menschen fördern und weiterbringen.

Was ist Ihr wichtigstes Führungsprinzip und warum gerade dieses?
Ich setze alles auf das Prinzip der individuellen Führung. Es umfasst die Kunst, Richtlinien, Spielregel und Ziele klar und für alle Mitarbeiter einheitlich zu vermitteln und trotzdem auf jeden einzelnen Mitarbeiter individuell einzugehen. Für mich ist jedes Coaching- Gespräch mit Mitarbeitenden zwar strukturell und inhaltlich identisch, unterscheidet sich jedoch in der Art der Sprache und der Ausdrucksweise. Gewisse Mitarbeiter erfordern eine strengere und sehr direkte Kommunikation, andere wiederum müssen sanfter und behutsamer angegangen werden. Zudem variiert je nach Mitarbeiter und Führungskraft auch die Tagesstimmung, so dass man auf Situationen anders reagieren muss. Führung muss in der Basis einheitlich sein, jedoch individuell bei der Begleitung des einzelnen Mitarbeiters.

Führung lässt sich vor allem über die praktische Erfahrung in der entsprechenden Funktion erlernen. Wie gelingt es Ihnen, Begeisterung für das Fach zu wecken und was können Sie den Studierenden mit auf den Weg geben?
Führung definiert sich nicht per se als «Chef-sein». Führung umfasst auch die Leitung von Projektteams oder die Unterweisung von Lernenden. Ebenso wichtig ist das Führen der eigenen Person. Alle können im Zusammenhang mit Führung Erfahrungen vorweisen. Sei dies im Management oder als Mitarbeiter. Dieser Umstand erweitert die Führungslehre immens. Es ist wichtig, die praktische Erfahrung mit entsprechenden Theorien, Grundsätzen und Prinzipien zu untermauern. Gleichzeitig geht es darum, den Transfer zur Praxis sicherzustellen und den erforderlichen Unterrichtsstoff für die bevorstehende Prüfung zu vermitteln.


Thomas Gygax

Zur Person
Thomas Gygax, dipl. Bankwirtschafter HF und Prokurist, ist Teamleiter Privatkunden Basis und Kundenberater Privatkunden Individual bei der UBS AG in Herzogenbuchsee. Als Dozent und HFBF-Absolvent hat Thomas Gygax einen guten Draht zu den Studierenden.



Lesen Sie hier die ganze Scorecard 01/2015.




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