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Frauen in Führungspositionen in der Finanzbranche sind rar

Die Zahlen zeigen: Frauen in Führungspositionen der Finanzbranche sind selten. Dahinter stehen laut einer Studie vor allem traditionelle Rollenbilder. Finanzdienstleister könnten sich einfach das grosse Potenzial von Frauen erschliessen.

Frauen in Führungspositionen sind rar

In den Geschäftsleitungen der grössten Schweizer Finanzunternehmen sitzen nur fünf Prozent Frauen. Damit liegt die Schweiz im internationalen Vergleich fast am Schluss, auf Platz 30 einer 32 Staaten langen Rangliste. Diese wird von Norwegen, Schweden und Thailand angeführt, bei denen der Frauenanteil in Führungspositionen der Finanzbranche mehr als 30 Prozent beträgt. Das zeigt die Studie „Women in Financial Services“ der Personalberatung Oliver Wyman, für die 381 Finanzunternehmen in 32 Ländern untersucht wurden. Seit 2003 ist der Frauenanteil in den Schweizer Geschäftsleitungen kaum gestiegen, seit 2013 sogar wieder leicht gesunken. 

Führungsposition wird selten angestrebt

Zur Ursache für diese grossen Unterschiede gibt es eine klare Aussage: Frauen streben in der Schweiz – und auch in Deutschland – deutlich weniger oft eine Führungsposition an als in anderen Ländern. Während in der Schweiz 46 Prozent der befragten Frauen, aber 70 Prozent der Männer eine Führungsposition einnehmen möchten, sind es in Deutschland nur 33 bzw. 56 Prozent. In anderen Staaten wollen aber 62 Prozent der Frauen und 59 Prozent der Männer nach oben. 

Offensichtliche Hindernisse für den Aufstieg von Frauen in der Schweizer Finanzbranche sind: Ein kurzer Mutterschaftsurlaub, fehlender Vaterschaftsurlaub, wenig steuerliche Unterstützung für Eltern und hohe Kosten der Kinderbetreuung. Dieser Mix erschwert die Vereinbarung von Familie und Karriere. Allerdings genügen diese strukturellen Gründe nicht, denn in Deutschland ist trotz besserer Rahmenbedingungen der Frauenanteil in Geschäftsleitungen nicht wesentlich höher.  

Frau, Mutter, Teilzeitjob

Die Ursachen sind also noch tiefer verwurzelt. Kulturelle Prägungen und Barrieren bremsen den Aufstieg von Frauen, zeigte sich in persönlichen Interviews für die Studie. In vielen Köpfen wurzeln traditionelle Rollenbilder. Sie sehen für Frauen eher die Mutterrolle, gegebenenfalls kombiniert mit einer Teilzeittätigkeit, als eine ambitionierte Karriere vor. 

Die Schweizer Finanzunternehmen könnten deshalb viel für die Stärkung weiblicher Führungskräfte tun, findet Studienleiterin Astrid Jäkel, Partnerin im Büro Zürich von Oliver Wyman. „Die halbherzige Unterstützung von Familien, wenig flexible Arbeitszeiten sowie intransparente Beförderungsprozesse und Gehaltsstrukturen sind Bereiche, in denen die Leistungen der Finanzunternehmen als Arbeitgeber hinter den Erwartungen zurückbleiben,“ meint Jäkel.

Arbeitgeber können einfach punkten


Finanzunternehmen könnten sich in diesem Umfeld sehr gut als fairer und attraktiver Arbeitgeber positionieren und weibliche Führungstalente gewinnen. Unterstützung bei der Kinderbetreuung, Sponsorenprogramme für den Führungsnachwuchs, gute Möglichkeiten für Home Office-Phasen und Teilzeitangebote sollte es für Frauen und Männer geben. Im Arbeitsalltag müssten klare Bekenntnisse der Führungskräfte eine Unternehmenskultur schaffen, in der Gleichberechtigung auf allen Managementebenen selbstverständlich sei. 

An der Höheren Fachschule für Bank und Finanz HFBF werden in verschiedenen Fächern aktuelle Themen aus den unterschiedlichsten Sichtweisen beleuchtet, damit die Studierenden fundiert und aktiv zur objektiven Meinungsbildung beitragen können.

Autor:
Alexander Saheb, Fachjournalist
Publiziert am 06.10.2016 im Auftrag von der Höheren Fachschule für Bank und Finanz HFBF

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