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Digital Detox versus Digitalisierung

Das Smartphone ist eines der sichtbaren Elemente der Digitalisierung, aber erst der Anfang. Digital-Detox, d.h. Entwöhnung von digitalen Mitteln, wird zum Thema und steht in Widerspruch dazu. Soll man neue Technologien einschränken oder - im Gegenteil - fördern, um weitere Innovationen zu provozieren? Auch Personalverantwortliche sind gefragt, deren Einsatz als Teil des BGM feinfühlig zu steuern.

Digital Detox

Digitalisierung – schon zu viel!

Studien über unseren Umgang mit dem Smartphone gibt es en masse – alle kommen zum Schluss, dass wir uns damit sehr viel, ja eigentlich zu viel beschäftigen. So viel, dass man Konferenzen organisiert zum Thema Digital Detox – sprich die Entwöhnung vom für viele intensivsten Begleiter. Entwöhnung wovon? Von Facebook, Instagram bzw. E-Mails und SMS? Oder Schutz vor sich selber oder dem 24h-Arbeitgeber? Oder vor gesundheitlichen Folgen?

Nicht richtig begonnen – und schon entwöhnen?

Es mutet fast etwas verrückt an – eines der sichtbaren Elemente des Zeitalters der Digitalisierung soll bereits ‚entwöhnt‘ werden, dabei hat die Digitalisierung noch nicht einmal richtig begonnen. Ist es wirklich eine Gefahr oder einfach eine Zeiterscheinung, welche sich über Zeit automatisch normalisiert wie das Auto oder der PC?

Smartphone - innovationspotent

Soll man sich diesem Hilfsmittel – und es wird privat ebenso wie im Geschäft als solches wahrgenommen – verweigern oder es sogar aktiv nutzen? Ich habe von einem Industriekonzern gehört, dass es genügt, bei den Maschinen statt teure Sensoren einzubauen, einfach ein marktübliches Smartphone aufzulegen, um gewisse Fehleranalysen (sogar remote aus der Servicezentrale auf einem anderen Kontinent) durchführen zu können. Die standardmässig in einem Smartphone eingebauten Sensoren genügen. Man spart Entwicklungskosten und Zeit und kann Kunden besser und schneller bedienen. Wer kam wohl auf diese Idee?

Bremsen und Gas geben gleichzeitig

Personalverantwortliche sind gefragt, Vorschläge zu machen. Bremsen, Gas geben oder sensibilisieren? Einerseits ist die Gefahr gross, dass viel produktive Arbeitszeit für die laufenden, sich per Klingelton ankündigenden Messages verloren geht. Auf der anderen Seite kommen die Innovationen (auch in administrativen Prozessen) nicht von der Chefetage, sondern von der eigenen Basis oder der Basis der Kunden. Würgt man die Merkmale der Digitalisierung ab, verpasst man vielleicht Chancen. Es könnte die Kultur des Ausprobierens von Neuem in Kombination mit der Motivation, sich immer wieder mit Ideen zur Vereinfachung zu beschäftigen, gefördert werden.

Führen Sie eine digitale Kultur ein

Eine ‚digitale‘ Kultur spricht nicht gegen Verhaltensregeln im Umgang mit neuen Technologien. Sie sollte einen Teil des BGM darstellen

Es spricht nichts gegen Hinweise, z.B.:

  • Privates von Geschäftlichem unterscheiden und in die Freizeit verdrängen.
  • In Besprechungen das Benützen von Smartphones zum Tabu erklären.
  • Erwartung von 24h zu 14h Erreichbarkeit reduzieren, weg vom Hyperaktivismus.

Der Chef ist der Schlüssel

Die Einführung eines Verhaltens- bzw. Erwartungskodex ist allerdings Führungssache – top down! Der Chef bestimmt die Erwartungen. Hält er sich nicht an den Kodex, haben die Mitarbeitenden nur eine Chance: sich auch nicht dran halten.

Fazit

Die Digitalisierung wird noch mit vielen Überraschungen aufwarten, welche das heutige Smartphone in den Schatten stellen dürften. Es kommt noch viel mehr. Mit Digital Detox die Digitalisierung unserer Arbeit und unserer Freizeit verhindern zu können, ist unrealistisch. Aber wir können sensibilisieren und profitieren.

An der Schule für Personal und Führung werden in verschiedenen Fächern aktuelle und kontroverse Themen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet, damit die Studierenden fundiert und aktiv zur Meinungsbildung beitragen können.

 

Autor:
Christoph Hilber, Managing Partner,
P-CONNECT - Coaching - Searching - Consulting
Publiziert am 27.10.2016 im Auftrag von der Schule für Personal und Führung

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