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Professionelles Forderungsmanagement

Wie begegnet man der schlechter werdenden Zahlungsmoral? Jolanda Müller Flückiger beschäftigt sich täglich mit dieser Frage. Im Interview berichtet sie, wie professionelles Forderungsmanagement heute aussieht.

Professionelles Forderungsmanagement

Frau Jolanda Müller Flückiger, Sie sind Team Leader Rechtsinkasso. Was konkret ist Ihre Aufgabe?

Die  Haupttätigkeit unseres Teams umfasst die fachgerechte Bearbeitung komplexer Inkassofälle wie zum Beispiel die Einreichung von Rechtsöffnungsbegehren und Schlichtungsgesuchen (inklusive Teilnahme an den entsprechenden Verhandlungen) sowie Konkursbegehren. Ebenfalls im Fokus stehen Schuldensanierungen bei Härtefällen in Zusammenarbeit mit Dritten (Treuhand-, Sanierungs- und Schuldenberatungsbüros).

Was ist modernes Inkasso?

Die Abläufe des Rechtsinkassos folgen den detaillierten Prozessschritten, wie sie sich aus den entsprechenden Gesetzen ergeben. Eine Modernisierung erfolgt hier vor allem über betriebswirtschaftliche Überlegungen, wie zum Beispiel Kosten-/Nutzenüberlegungen oder Miteinbezug von Opportunitätskosten. Wann machen die aufwändige Bearbeitung und die hohen Gerichtskosten, die der Gläubiger ja vorschiessen muss, effektiv Sinn? In einem modernen Rechtsinkasso beurteilen heute eher Technologien wie das Scoring/Inkassocheck aufgrund von verschiedenen Faktoren die Erfolgsaussichten von Inkassomassnahmen. Trotzdem wird letztendlich jeder Fall individuell bearbeitet. Der Dialog mit dem Kunden ist auch hier das wichtigste Element, um für beide Parteien eine nachhaltige Lösung zu finden.

Wie können Unternehmen ihre Zahlungsausfälle minimieren?

Durch ein professionelles, konsequentes Inkasso. Ich denke hier vor allem an die kleineren KMU. Je nach Unternehmen sollte deshalb entschieden werden, ob das Inkasso selbst betrieben werden soll bzw. kann. Will man sich lieber auf das Kerngeschäft konzentrieren, darf man das Inkasso auf keinen Fall zurückstellen, sondern sollte es outsourcen. Heute bieten viele Inkassobüros professionelle und kostengünstige Lösungen an.

Wie erkennt man Ausfallrisiken bei neuen und auch bei bestehenden Kunden konkret?

Bei neuen Kunden erfolgt im Konsumkreditgeschäft gemäss dem Konsumkreditgesetz (KKG) eine vorgeschriebene Prüfung der Kreditfähigkeit. Als weitere Unterstützung dienen Betreibungsauskünfte und Inkassodatenbanken. Bei bestehenden Kunden gibt es heute technische Mittel, um das Zahlungsverhalten des Kunden in der Vergangenheit zu analysieren und so auch auf das zukünftige Verhalten zu schliessen. Leider sind gerade die Hauptgründe für finanzielle Schwierigkeiten wie zum Beispiel Scheidung, Krankheit oder Arbeitslosigkeit nicht bzw. schwer voraussehbar.

Autor:

Jolanda Müller Flückiger, Betriebsökonomin FH, Team Leaderin Rechtsinkasso bei der Cembra Money Bank. Sie ist nebenamtliche Dozentin bei AKAD Business AG im Lehrgang Inkassospezialist.


Publiziert am 17.01.2017 im Auftrag der Schule für Rechnungswesen und Controlling