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Entwicklung der Gesundheitskosten

Die Ausgaben für das Gesundheitswesen in der Schweiz betrugen im Jahr 2013 knapp 70 Milliarden Franken. Pro Kopf entsprach dies einem monatlichen Betrag von CHF 713.–. 1997 betrugen die Ausgaben pro Kopf noch CHF 449.–. Im Zeitraum von 16 Jahren stiegen die Gesundheitskosten somit um fast 60 Prozent. Die Nominallöhne entwickelten sich in der gleichen Zeitperiode lediglich um 22 Prozent. Eine Trendwende für die Zukunft scheint nicht in Sicht. Was sind die wichtigsten Gründe für diese Entwicklung?

Entwicklung der Gesundheitskosten

Steigende Lebenserwartung
Um das Jahr 1900 lag die Lebenserwartung noch unter 50 Jahren, bis heute hat sie sich dank verbesserter Hygiene, einem höheren Lebensstandard sowie einer qualitativ guten Gesundheitsversorgung stetig auf aktuell 85,2 Jahre bei Frauen und 81 Jahre bei Männern erhöht; fast jede sechste Person ist heute älter als 65 Jahre.

Rund 45 Prozent der 2013 angefallenen Gesundheitskosten betreffen die Altersklasse 65+. Die zunehmende Überalterung ist auch eine der wesentlichen Ursachen für die markante Steigerung der Pro-Kopf-Ausgaben. Der Anteil dieser Altersklasse an der Gesamtbevölkerung wird bis ins Jahr 2045 auf 26 Prozent ansteigen.

Medizinisch-technischer Fortschritt
Ein weiterer wichtiger Treiber bei den Pro-Kopf-Ausgaben sind die Innovationen im Gesundheitswesen. Diese führen zu Fortschritten in der Prävention, Diagnose und Therapie von Krankheiten und damit letztlich zu einer verbesserten Gesundheitsversorgung. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Arthrose, Krebs oder auch Demenz nehmen in der Schweiz kontinuierlich zu, und ihre Behandlung macht heute rund 80 Prozent der gesamten Gesundheitskosten aus. Frühzeitige Erkennung, rascher Zugang zu neuen Medikamenten und immer bessere Therapien sind nicht nur entscheidend für eine schnellere Genesung, höhere Lebensqualität und Überlebenschancen der Patienten, sondern tragen auch zur Entlastung von Angehörigen der Erkrankten bei Pflege und Betreuung bei. Kamen bis vor einigen Jahren bestimmte Diagnosen praktisch einem Todesurteil gleich, besteht heute teilweise eine Chance auf Heilung oder zumindest auf eine Linderung der Krankheit. Diese grundsätzlich sehr erfreuliche Entwicklung ist aber nicht kostenlos.

Pflegebedürftigkeit im Alter
Ein dritter wichtiger Faktor, der die Kosten in die Höhe getrieben hat und dies noch weiter tun wird, sind die Kosten für die sozialmedizinische Betreuung in Alters- und Pflegeheimen sowie für spitalexterne Pflege zu Hause. Die Gesamtkosten für die Betreuung in Alters- und Pflegeheimen betrugen 2014 rund 9,5 Milliarden Franken, im Bereich der spitalexternen Pflege lag der Gesamtaufwand bei ca. 2 Milliarden Franken. Es zeigt sich, dass Behinderungen und chronisch-degenerative Erkrankungen trotz Fortschritten im medizinisch-technischen und im Präventionsbereich mit dem Alter zunehmen. Viele ältere Menschen bleiben dank den Fortschritten in der Medizin länger unabhängig und leben länger. Genau in dieser Lebensphase sind sie aber in kleinerem oder eben grösserem Ausmass von den neuen medizinischen Errungenschaften abhängig. Das macht sie zu einem Schlüsselfaktor für die Gesundheitskosten.

Fazit
Alle Zeichen deuten darauf hin, dass die Gesundheitskosten in der Schweiz auch künftig zunehmen werden: Steigende Lebenserwartung, medizinische Entwicklungen und Pflegebedürftigkeit im Alter sprechen eine klare Sprache. Dazu kommt, dass laut dem Gesundheitsmonitor 2015 82 Prozent der Schweizer Bevölkerung das Gesundheitswesen positiv beurteilen. Einschränkungen hinzunehmen, um Kosten zu senken, ist man nur vereinzelt bereit, nämlich allenfalls bei der freien Spital- und Therapiewahl, nicht jedoch beim ungehinderten Partizipieren an all den medizinischen Fortschritten der letzten Jahre.

An der höheren Fachschule für Versicherung werden in verschiedenen Fächern aktuelle und kontroverse Themen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet, damit die Studierenden fundiert und aktiv zur Meinungsbildung beitragen können.

Autor:
Philippe Catalan, Geschäftsführer FIAM Finance Insurance and more GmbH

publiziert am 21.03.2016. Im Auftrag von der Höheren Fachschule für Versicherung.