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Was Expo und Olympiade mit den Informatiktagen verbindet

Grossveranstaltungen haben eine ganz besondere Ausstrahlung, werfen Schatten voraus und leuchten bei erfolgreicher Durchführung weit über Landesgrenzen hinaus. Im Fall eines Misserfolgs gehen Kritikgewitter auf die Verantwortlichen nieder. Was macht den Reiz grosser Veranstaltungen aus? Weshalb gelingt es immer wieder, namhafte Persönlichkeiten als Botschafter zu begeistern? Und warum sind Anlässe mit Ausstrahlung wichtig?

Veranstaltungen organisieren

Wenn im Kanton Zürich die Informatiktage stattfinden, dann beteiligen sich über 70 Firmen mit grossem Engagement, öffnen ihre Türen, organisieren Präsentationen oder Vorträge und zeigen ihre Leistungsfähigkeit. Die Mitglieder des Clusters eZürich, Entwickler und Anbieter von Informations- und Kommunikationstechnologien, engagieren sich gemeinsam für das Netzwerk, für den Nachwuchs und für den Technologiestandort Zürich. Ihre Motivation ist intrinsisch. Am Erfolg der Veranstaltung, die jeweils Tausende von begeisterten Besuchern anzieht, arbeiten viele helfende Hände mit.

Nutzen sichtbar machen

Eine Expo in der Ostschweiz, olympische Spiele in Graubünden und Zürich oder eine Weltausstellung in Mailand haben ganz andere Dimensionen. Eine Durchführung kommt selten aus innerer Motivation der Organisatoren zustande. Kommerzielle Interessen stehen weit vorne, das Vermarkten von Produkten, Dienstleistungen oder einer Region sind zentrale Elemente. Um erfolgreich zu sein, müssen Kommerz und Kultur, finanzielles Potenzial und Kosten für die Allgemeinheit in ein gutes Verhältnis gebracht werden.

Ist der kommerzielle Nutzen einer Grossveranstaltung sichtbar, engagieren sich Persönlichkeiten mit engem Bezug zu einer Region, zum Sport oder auch zu wirtschaftlichen Leistungen und sind auch bereit, sich zu exponieren. Unternehmen werden bereit sein, Verantwortung zu tragen – auch finanziell –, wenn sich für ihre Mitarbeitenden, die Aktionäre und das Image ein Nutzen abzeichnet. Einwohner eines Landes, einer Region werden sich ebenso verhalten, wenn die Einzelnen mehr davon haben als die Übernahme eines allfälligen Defizits. Sollen olympische Spiele durchgeführt werden, muss der Mehrwert für jeden Arbeitsplatz aufgezeigt werden. Bei der Organisation einer Expo muss das Potenzial für jeden Schüler, Mitarbeitenden und auch Rentner erarbeitet und aufgezeigt und allen Menschen eine positive Rolle zugedacht werden.

Kommerzieller Erfolg

Unser Land, die Medien und auch die Steuerzahler müssen andererseits akzeptieren, dass allein kulturelle oder «schöngeistige» Engagements ohne kommerziellen Mehrwert keine Wertschöpfung generieren, keine Arbeitsplätze sichern und auch keinen Wohlstand garantieren. Das muss kein Widerspruch zu anspruchsvollen, inhaltlich differenzierten Darstellungen sein. Kommerz bedeutet auch, anders zu sein, mit Neuem und Unglaublichem zu begeistern, Innovation als Resultat unserer Neugierde zu konkretisieren.

Grossanlässe haben nur dann eine Chance, erfolgreich durchgeführt zu werden, wenn es gelingt, den kommerziellen Nutzen positiv für die Menschen darzustellen, wenn Organisatoren nicht bloss eine Antwort auf die Frage geben, wer wir sind und was wir zeigen, sondern gemeinsam eine Vision entwickeln, wohin wir wollen. Weshalb also nicht eine Expo in der Ostschweiz, die symbolisch das Wasser für halb Europa liefert, nachhaltige Technologien in Spitzenunternehmen für die ganze Welt herstellt? Es gilt, Wertschöpfungsketten in Clustern zu innovativen Produkten und Dienstleistungen zu verbinden, die von Bildung und Forschung ausgehen und rasch die Konsumenten erobern. Mit Olympia könnte man Interesse wecken, nicht bloss für den Wintersport, sondern für neue Technologien im Skilauf. Oder durch das Kombinieren von realen Bobfahrten mit Online-Games im Eiskanal, das Einbinden von Technologien in den Alltag. 

So schliesst sich der Kreis zu den Informatiktagen. Ein Netzwerk von Menschen, die sich zwar aus eigenem Antrieb engagieren, den kommerziellen Erfolg aber mitberücksichtigen. Die sich für das grosse Ganze einbringen und gleichzeitig den Unternehmenserfolg verfolgen. Die gemeinsam eine Vision entwickeln und der Umsetzung ein Gesicht geben. So werden mit Menschen Geschichten geschrieben und dank ihnen eben auch Grossanlässe für die Bevölkerung durchgeführt.

An der Schule für Wirtschaft und Management werden in verschiedenen Fächern aktuelle Themen aus den unterschiedlichsten Sichtweisen beleuchtet, damit die Studierenden fundiert und aktiv zur objektiven Meinungsbildung beitragen können.

Autor:

Bruno Sauter, Amtschef/Generaldirektor Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA), Kanton Zürich

Publiziert am 28.09.2017 im Auftrag von der Schule für Wirtschaft und Management

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