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Instrumente einer Zentralbank – konventionell und unkonventionell

Wirtschaftsräume wie die Schweiz und Europa kämpfen seit einigen Jahren mit zu niedrigen und negativen Inflationsraten. Den Nationalbanken kommt entscheidende Bedeutung zu, denn sie verfügen über drei Instrumentengruppen, um Inflation zu steuern: den Zentralbank-Zinssatz, forward guidance und Massnahmen, die ihre Bilanz verändern.

Preisstabilität ist das oberste Ziel der Zentralbanken hochentwickelter Länder. Die Schweizerische Nationalbank definiert diese als einen Anstieg des Landesindex der Konsumentenpreise von weniger als 2% pro Jahr und Deflation gilt es ebenfalls zu verhindern. Doch welche Massnahmen kann eine Zentralbank treffen?

Die konventionellen und unkonventionellen Instrumente zur Inflationssteuerung lassen sich in drei Gruppen einteilen:

1. Steuerung der Zinssätze, die direkt von der Zentralbank kontrolliert werden

Die Schweizerische Nationalbank legt ein Zielband für den Dreimonats-Libor in Schweizer Franken fest. Der Zentralbank-Zinssatz wird je nach Inflationsprognose erhöht oder gesenkt. Dieses konventionelle Instrument stiess an seine Grenzen als die Nationalbanken der USA, der Eurozone und der Schweiz im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise die Zinssätze bis auf null senkten. Unkonventionelle Massnahmen mussten ergriffen werden, um zusätzlichen geldpolitischen Spielraum zu schaffen.

2. Verpflichtungserklärungen über die zukünftige Geldpolitik („Forward guidance“)

Die amerikanische Notenbank war die erste der großen Nationalbanken, die im Dezember 2008 verkündete, dass sie aussergewöhnlich niedrige Zinsen für eine bestimmte Zeit erwartet. Damit schränkte sie ihren Handlungsspielraum ein, um den Finanzmärkten zu signalisieren, dass keine baldigen Zinserhöhungen zu erwarten sind und erreichte dadurch eine weitere geldpolitische Lockerung.

3. Massnahmen mit Einfluss auf die Zentralbankbilanz

Als auch „Forward guidance“ nicht genügend Wirkung zeigte, wurde eine Massnahmengruppe mit direkten Auswirkungen auf die Zentralbankbilanzen aktiviert. Die amerikanische Notenbank kaufte Staats- und Hypothekenanleihen, wodurch sie die längerfristigen Zinsen direkt beeinflusste. Als Folge dieser Käufe stieg die Bilanzsumme massiv an.

Die Schweizerische Nationalbank ist ebenfalls in dieser Massnahmenkategorie tätig. Sie interveniert am Devisenmarkt und beeinflusst dadurch direkt die Fremdwährungskurse. Auch diese Massnahme verlängert die Bilanz erheblich.

Die Zentralbanken betraten mit diesen dramatischen Massnahmen geldpolitisches Neuland und sind überzeugt davon, dass diese notwendig waren, um eine drohende Deflation zu verhindern. Aktuell diskutieren die Zentralbanken in den USA und in Europa über mögliche Ausstiegsszenarien und bewegen sich auch hier auf unbekanntem Terrain.

An der Schule für Wirtschaft und Management werden in verschiedenen Fächern aktuelle Themen aus den unterschiedlichsten Sichtweisen beleuchtet, damit die Studierenden fundiert und aktiv zur objektiven Meinungsbildung beitragen können.

Autor:

Michael Nigsch, Dozent bei AKAD Business

Publiziert am 22.06.2017 im Auftrag von der Schule für Wirtschaft und Management

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