Abschlussarbeit als grosser Berg? Schreibprozess schlau gestalten

12.10.2020 Barbara Geiser

Die Maturaarbeit oder auch die Abschlussarbeit einer Weiterbildung ist für viele die erste grössere schriftliche Arbeit. Und sie erscheint manchen als ein riesiger Berg. Doch Schreiben ist ein Prozess. Zu wissen, was alles dazu gehört und wie man ihn klug organisiert, stärkt das Selbstvertrauen und ist die Basis für ein gutes Gelingen. 

Flösst Ihnen das Schreiben einer grösseren Arbeit Respekt ein? Verständlich! Denn auch wenn wir in der Schule schreiben gelernt haben, sind wir schlecht darauf vorbereitet, längere Texte zu verfassen. In den meisten Fällen wird uns gesagt, wie der fertige Text aufgebaut sein soll – doch wie wir dahin gelangen, bringt uns niemand bei. Schreiben ist viel mehr als das Aneinanderreihen von Wörtern, es ist ein hochkomplexer geistiger und emotionaler Prozess. Wir können uns damit unendlich schwertun und aus vielen Gründen scheitern. Doch das muss nicht sein. Sie können einiges tun, um Ihre Abschlussarbeit gelassen zu meistern. 

 

Schreiben ist Arbeit

Zuallererst ist es wichtig anzuerkennen, dass Schreiben Arbeit ist. Wer sich schwertut mit Schreiben, ist nicht komisch oder dumm, sondern erlebt, was auch professionell Schreibende täglich erleben: Schreiben ist harte Arbeit! Also nicht verzweifeln, wenn es nicht auf Anhieb klappt – das geht auch den Profis so und gehört einfach dazu. Berechnen Sie genügend Zeit ein für Ihre Arbeit, und bleiben Sie gelassen.


Schreiben besteht aus mehreren Schritten

Ein Text wird nur gut und «fertig», wenn Sie mindestens drei Dinge tun: den Text vorbereiten, ihn ein erstes Mal schreiben und dann überarbeiten. All das gehört zum «Schreiben», also auch das vorbereitende Lesen und Sammeln von Informationen, das Nachdenken und Strukturieren des Materials.

 

Vorbereiten

Zuerst müssen Sie gründlich über Ihr Thema Bescheid wissen. Sie müssen Informationen sammeln, recherchieren, lesen. Tun Sie das zu Beginn eher unfokussiert, öffnend, so dass Sie einen Überblick bekommen. Mit der Zeit können Sie einschätzen, was für Ihre Arbeit wichtig ist und was nicht, und dann immer fokussierter nach Informationen suchen.

Mit Notizen arbeiten: Machen Sie in dieser Phase unbedingt Notizen. Kopieren Sie nicht einfach Textstellen aus dem Internet, sondern versuchen Sie, Gelesenes in eigenen Worten zusammenzufassen, am besten von Hand. Das eigene Formulieren zeigt Ihnen, ob Sie das Gelesene wirklich verstanden haben, und sorgt dafür, dass es sich in Ihrem Gehirn besser verankert. Notieren Sie immer genau, wo Sie etwas gelesen haben, so dass Sie die Stellen wiederfinden!

Strukturieren: Bei grösseren Arbeiten ist es sinnvoll, sich vor dem eigentlichen Schreiben Gedanken zur Struktur zu machen. Wie detailliert das geschieht, ist individuell sehr unterschiedlich.
Eine gute Methode, um Ihr gesammeltes Wissen zu strukturieren, ist die Kärtchentechnik. Schreiben Sie wichtige Stichworte und Aussagen auf Kärtchen oder Post-its. Legen Sie diese aus, und gruppieren Sie sie sinnvoll. Erwarten Sie nicht, dass es im ersten Anlauf klappt – schieben Sie herum, bis es passt. Machen Sie das ganz handfest, nicht nur im Kopf, denn Ihr Gehirn bekommt so einen Impuls von aussen und kann einfacher weiterdenken.

Schreiben: den ersten Wurf am Stück

Natürlich haben Sie auch während der Vorbereitungsphase schon viel geschrieben. Doch wenn es richtig losgeht, ist das Allerwichtigste: Schreiben Sie drauflos! Bleiben Sie im Fluss, und schreiben Sie wenn möglich eine erste Fassung mehr oder weniger «am Stück». So sorgen Sie dafür, dass Ihre Arbeit einen roten Faden hat. 
Es ist egal, ob Ihre Sätze schön sind oder nicht, komplett richtig oder nur ungefähr. Überlegen Sie nicht vor dem leeren Bildschirm, wie Sie anfangen sollen. Fangen Sie irgendwie an. Was nicht passt, können Sie später ändern. Wenn Sie wissen, dass es zu einer Stelle noch ein Zitat oder eine Quelle gibt, fügen Sie einen Kommentar, eine Klammer, eine farbige Markierung ein, so dass Sie später ergänzen können. 

Überarbeiten: in mehreren Schritten

Auch das Überarbeiten von Texten haben die wenigsten von uns gelernt. Die meisten lesen einfach den Text nochmals durch und versuchen zu verbessern, was ihnen auffällt. Für unser Gehirn ist das jedoch eine Überforderung, denn es kann nicht auf mehrere Dinge gleichzeitig achten: Inhalt, Sprache, Kommafehler, Zitate …

Überarbeiten Sie also in Schritten: 

1. Konzentrieren Sie sich nur auf den Inhalt: ist er vollständig, logisch, sinnvoll? Suchen Sie jetzt die fehlenden Informationen, Zitate usw.
2. Arbeiten Sie an Stil und Sprache: Sind die Sätze unterschiedlich aufgebaut, brauche ich präzise, treffende Wörter?
3. Korrigieren Sie Rechtschreibfehler, Grammatik und Kommasetzung (wenn Sie sich unsicher fühlen, dürfen Sie diesen Schritt einer Fachperson überlassen). 

Sie sehen: Überarbeiten ist nicht einfach «nochmals drüber gehen», sondern eigentlich der Schritt, in dem Ihre Arbeit ganz wesentlich geformt wird. Rechnen Sie daher damit, dass diese letzte Phase auf dem Weg zu Ihrer Abschlussarbeit ungefähr die Hälfte Ihrer ganzen Schreibzeit benötigt!

Stolz sein

Haben Sie Ihre Arbeit erfolgreich abgeschlossen und abgegeben, dürfen Sie ruhig stolz auf sich sein. Sie haben viel geleistet – machen Sie sich selbst eine Freude, und gönnen Sie sich etwas Schönes!

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Die Maturaarbeit oder auch die Abschlussarbeit einer Weiterbildung ist für viele die erste grössere schriftliche Arbeit. Und sie erscheint manchen als ein riesiger Berg. Doch Schreiben ist ein Prozess. Zu wissen, was alles dazu gehört und wie man ihn klug organisiert, stärkt das Selbstvertrauen und ist die Basis für ein gutes Gelingen.