Alle für einen, einer für alle

12.06.2019

Um das Stoffvolumen bewältigen zu können, nimmt Deutschlehrerin Regula Baumann die Studierenden geschickt in die Pflicht – individuell und als Gruppe. In sämtlichen Lernschritten empfiehlt sie mit gutem Grund, sich Notizen zu machen, und zwar von Hand. Auch wenn es um Inhalte geht, die man sich übers Internet erschlossen hat.

Alle fuer einenDeutsch, ob Grammatik oder Literatur, ist kein Fach, das mit einer massiven «Stoffexplosion» konfrontiert ist. Der Pflichtstoff ist im Gegensatz zu naturwissenschaftlichen Fächern vom Umfang her seit Jahrzehnten stabil. Und doch ist das Dilemma «Viel Stoff – wenig Zeit» auch hier omnipräsent. Regula Baumann identifiziert verschiedene Ursachen: «Die Ablenkungsmöglichkeiten sind doch erheblich grösser geworden, ebenso wie das Tempo im beruflichen und im privaten Alltag.» 

Beziehungsebene als Schlüssel

Effizienz in der Stoff- und Kompetenzaneignung beginnt für Regula Baumann auf der Beziehungsebene. «Lernen funktioniert im Prinzip immer noch so wie vor 2 000 Jahren. Es geht um einen konstruktiven Austausch der Lernenden mit der Person, die ihnen etwas beibringen kann.» Deshalb überlegt sich Regula Baumann vorgängig, zu welchen literarischen Werken die Studierenden einer bestimmten Klasse gut Zugang finden können. Horváths «Jugend ohne Gott», Wolfs «Kassandra», «Der Vorleser » von Schlink und «Das Parfum» von Süskind entstanden alle im 20. Jahrhundert. Je nach Zusammensetzung der Gruppe eignet sich die eine Lektüre besser als die andere, um gemeinsam zu entdecken, wie ein Text analysiert und interpretiert wird.

Individualisierte Vorbereitungsaufträge – gebündelte Resultate

Gewiss: An sich ist jede und jeder dazu angehalten, sich umfassend auf den Präsenzunterricht vorzubereiten. Faktisch ist das indessen nicht immer möglich. Das ist ein Hauptargument, warum kooperative Lernformen zentral sind. Wo es sich anbietet, erhalten die Studierenden daher im Vorfeld einer Deutschstunde verschiedene «Ämtchen»: Um beispielsweise das 18. Jahrhundert literaturgeschichtlich zu erschliessen, befassen sich die einen zuhause mit der historischen Situation im «Grand Siècle», die anderen durchforsten als Vorhut das Theater als moralische Lehranstalt der Aufklärung. Weitere Vorbereitungsexpeditionen erkunden Parallelströmungen wie die Empfindsamkeit, das Rokoko und den Sturm und Drang. Die individualisierte Vorbereitung ermöglicht es im Präsenzunterricht, das Wesentliche in einer entsprechend zusammengesetzten Gruppe auf den Punkt zu bringen. Mit dem Feedback der Klasse und der Lehrperson verfeinern die Studierenden ihre Notizen. Die bereits angesprochene Beziehungsebene stellt in diesem Kontext Verbindlichkeit her. «Alle für einen, einer für alle» – das Motto der Musketiere trifft hier ins Schwarze und führt zu gemeinsamem, speditivem Lernerfolg.

Handschriftliche Notizen und Computer

Sich handschriftliche Notizen zu machen und den Computer als Recherche- und Memorisierungswerkzeug einzusetzen, schliessen einander nicht aus, sondern können sich perfekt ergänzen. Richtig genutzt erweist sich das Internet als Goldgrube. So können Studierende, wenn sie zum Beispiel die schwierigen Gedichte der Else Lasker-Schüler analysieren müssen, eine Recherche zu den Interpretationen durchführen. Oder – was ja vorkommen kann –, wenn jemand seine Reclam-Ausgabe von «Nathan der Weise» zuhause hat liegen lassen, dann sucht man im Internet einfach das Projekt Gutenberg (Spiegel); die Website umfasst mittlerweile praktisch alle wesentlichen Werke der Schriftstellerinnen und Schriftsteller von Rang und Namen, die vor 70 Jahren (Ablauf des Urheberrechts) oder schon länger verstorben sind. Kooperative Lernformen sind zentral. Gleichwohl betont Regula Baumann auch angesichts der zahlreichen Trümpfe von Online-Learning die Vorzüge handschriftlicher Notizen. Und die experimentelle Neurologie gibt ihr recht: Wer sich seine (Erst-)Notizen von Hand auf Papier macht, erfasst Zusammenhänge nachweislich rascher und erinnert sich danach besser an sie. Viel Stoff – wenig Zeit: Es führen viele Wege zum Ziel.

Dienstag, 18:00 07.01.2020 Zürich Kaufmännische Ausbildung
Dienstag, 18:00 18.02.2020 Zürich Kaufmännische Ausbildung
Dienstag, 18:00 31.03.2020 Zürich Kaufmännische Ausbildung
Dienstag, 18:00 19.05.2020 Zürich Kaufmännische Ausbildung
Dienstag, 18:00 16.06.2020 Zürich Kaufmännische Ausbildung

Deutschlehrerin Regula Baumann nimmt die Studierenden geschickt in die Pflicht, damit diese optimale Lernerfolge erzielen.