Global Sourcing und glaubwürdiges Riskmanagement

02.07.2020 Bruno Sauter
Die Fachempfehlungen zur Rechnungslegung (Swiss GAAP FER) sind Schweizer Rechnungslegungsstandards, die ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (true and fair view) vermitteln. Diese Standards erlauben es den Aktionären, eine glaubwürdige Darstellung der finanziellen Situation ihres Unternehmens zu erhalten. Auf der Kostenseite eines jeden Unternehmens fällt der Beschaffung eine finanziell gewichtige Rolle zu. Gerade in Krisenzeiten stellt das Global Sourcing dabei offenkundig ein besonderes Risiko dar, und das strategische Management ist auf vertrauenswürdige Fakten zur Beurteilung der Situation angewiesen. Der Verwaltungsrat hat bei Entscheiden zur Existenzsicherung die finanziellen Aspekte sorgfältig abzuwägen. So soll er auch beim Global Sourcing aufgrund realistischer Optionen seine Strategie überlegt wählen.

Risiken im Global Sourcing sind bekannt

Das Global Sourcing bietet den Unternehmen Opportunitäten in den Bereichen verfügbarer Rohstoffe, günstiger Lohnkosten, disponierbarer Fachkompetenzen und logistischer Verfügbarkeiten. Die moderne Arbeitsteilung bevorzugt solche Wertschöpfungsmodelle und erlaubt es den Firmen zudem, mit relevanten Produktionsabschnitten direkt bei den Kunden, im Zielmarkt zu sein. Dies entspricht dem Ansinnen von Regierungen, Konsumenten, Kundinnen und schliesslich auch demjenigen der Aktionäre. Die Risiken solcher Beschaffungen sind jedoch ebenso bekannt, werden aber verdrängt und negiert, da sie – bisher – nie eingetreten sind. Die politischen Verhältnisse in vielen Staaten sind weit entfernt von ideal; fairer, freier Wettbewerb fehlt. Die Eingriffsmöglichkeiten der Politik sind allein schon aufgrund der Regierungsformen gegeben und wirtschaftlich relevant. Dadurch ist die Verfügbarkeit lokaler Ressourcen, von Rohstoffen über Personal bis hin zu Energie und Versorgung mit Wasser, abhängig von Regierungsinstitutionen und oft sogar Personen. Die Eigentumsrechte an materiellen wie auch immateriellen Gütern sind zudem häufig schon als problematisch thematisiert worden. Ebenfalls problematisch ist es, wenn Staaten im nationalen Interesse mit logistischen Mitteln Lieferketten unterbrechen und solche hoheitlichen Eingriffe zu Blockaden oder zumindest Verzögerungen führen. Ebenso dürften politisch gewollte Be- und Einschränkungen im Markt direkte Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Aktivitäten der lokalen Kunden zeigen.

Krisen zeigen Schwächen schonungslos

Die Coronakrise zeigt die Anfälligkeit unserer globalen Beschaffung unbarmherzig und in aller Deutlichkeit. In wichtigen Herstellungsländern werden Material- wie auch Personalressourcen – nicht bloss in Krisenzeiten – staatlich zugeteilt und die nationalen Interessen, verständlicherweise, prioritär bedient. Rohstoffe wie auch Halbzeuge und Komponenten sind aufgrund stillgelegter Werke und Produktionen nicht mehr verfügbar, und die noch abgefertigten Lieferungen müssen vielfach Grenzen passieren, Einfuhrkontrollen durchlaufen und Länder queren, die Interessen an denselben Gütern und Materialien haben wie die Bestimmungsländer. Die jeweiligen nationalen Gesetzgebungen werden krisenbedingt dergestalt umformuliert, dass die eigene Bevölkerung geschützt, beliefert und/oder bevorzugt werden kann – dies alles unabhängig von regulären Besitzverhältnissen und vertraglichen Regelwerken. Gerade in börsenkotierten Unternehmen werden die finanziellen Aspekte aufgrund vorbeschriebener, krisenbedingter Veränderungen zuhanden der Aktionäre nur unzureichend abgebildet. In Zeiten offener Handelsbeziehungen mit wirtschaftlichem Wachstum und nicht eingetretener Schadenfolge ist dies verständlich. Doch mit den Erfahrungen aktueller Krisen und den nun erkennbaren, eingetretenen Negativfolgen auf die wirtschaftliche und finanzielle Situation der Unternehmen sind Anpassungen in der Aktionärsinformation unerlässlich.

Strategische Führung nimmt aktuelle Entwicklungen auf

Das Riskmanagement gehört gemäss Art. 663b Ziff. 12 OR im Rahmen der Risikobeurteilung zur Pflichtangabe einer Jahresrechnung. Diese wiederum hat zu Händen des Aktionariats die Finanzlage gemäss den Grundsätzen true and fair abzubilden (Swiss GAAP FER). Die aktuelle (Krisen)-Situation mit den Erfahrungswerten auch im Global Sourcing hat entsprechend in den Verwaltungsrat und dessen Handeln einzufliessen. Nicht bloss die Chancen der internationalen Arbeitsteilung und des globalen Beschaffungswesens mit Investitionen und Sourcingketten wollen in den Strategiepapieren abgebildet sein. Auch die Risiken müssen im Rahmen der gesetzlich vorgesehenen VR-Tätigkeiten traktandiert, besprochen und beurteilt werden. Aktuelle Erfahrungen mit der Corona-Pandemie ermöglichen eine direkte Quantifizierung der möglichen Schäden für das Unternehmen und dessen Finanzen und haben demzufolge mit einem Preisschild in den Büchern berücksichtigt zu werden. Im Rahmen des Riskmanagements werden somit Optionen, Alternativen und ggf. auch gewollte Sicherheiten mit Redundanzen in Entwicklung, Produktion und Logistik zugunsten einer nachhaltigen Unternehmenssicherung und -entwicklung strategisch angepasst, und der Verwaltungsrat nimmt seine nicht delegierbare Verantwortung wahr. 

 
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Standards erlauben es den Aktionären, eine glaubwürdige Darstellung der finanziellen Situation ihres Unternehmens zu erhalten.