Angst vor grossen Namen

26.09.2018 Bruno Sauter
Was haben die Namen Neymar, Ruoff und Vincenz gemeinsam? Was haben sie mit Rollen, Funktionen und Prozessen zu tun, und was prägt ihr Umfeld so stark? Die Schlagzeilen über mangelnde Aufsicht und fehlende Intervention klingen manchmal ähnlich, ob es nun um Verwaltungsräte führender Schweizer Unternehmen geht oder Schiedsrichter in einem Fussballspiel. Genau so, wie offensichtlich die VR-Gremien davor zurückschrecken, die ihnen lieben CEOs strategisch zu führen und die Compliance durchzusetzen, sind auch Schiedsrichter beeinflusst von grossen Namen. Die Beurteilung von Sachverhalten läuft damit Gefahr, nicht mehr objektiv zu sein.
Angst vor grossen Namen

Die Organisation gibt Klarheit

Der Verwaltungsrat eines Unternehmens ist für die Oberaufsicht und die Strategie verantwortlich. Er organisiert sich so, dass alle relevanten Fragen rund um Risiken und Sicherheit, Prozesse und Steuerung, aber auch Governance und Compliance jederzeit überwacht und gesteuert werden können. Die vom VR eingesetzten Führungspersönlichkeiten setzen als CEO mit ihren Funktionen im Rahmen der gesteckten Ziele und Rahmenbedingungen zusammen mit den weiteren Mitgliedern einer Geschäftsleitung operativ um. Sie nutzen dazu ihren Spielraum geschickt, steuern Ressourcen und Kompetenzen und sammeln Informationen am Markt, welche im Zusammenspiel mit dem VR wiederum eine optimale Strategie ermöglichen.

Verkehrte Welt an der Spitze

Offensichtlich gibt es jedoch Verwaltungsräte, die mit ihren Kompetenzen nicht in der Lage sind, die vorgesehenen Aufgaben zu erfüllen. Sie lassen sich vom CEO führen und nehmen dessen Persönlichkeit als Sicherheit für strategische und operative Perfektion. Aber so wie auch der beste Fussballer Fehlleistungen bei Pässen, Dribblings und Goalschüssen vollbringt, muss auch bei grossen Namen in der Geschäftsleitung von Irrtümern und Fehlanreizen ausgegangen werden. Der Schiedsrichter, welcher jeden noch so harmlosen Rempler im Spiel aufgrund des grossen Namens sofort als Foul mit gelber Karte ahndet und so den Gegner massiv beeinflusst, ist dem Verwaltungsrat ähnlich, welcher sich davor fürchtet, mit korrekten, aber hartnäckigen Fragen Sicherheit zu gewinnen. Die Diva auf dem Fussballfeld wird nicht mehr angegangen, weil die rote Karte droht, und die Diva im CEO-Sessel wird nicht mehr mit der Realität konfrontiert, weil die Rollen vertauscht sind. Strategisch kann jedoch erst denken, wer die operativen Details des Geschäfts kennt und auch versteht.

Wissen und Erfahrung, Interesse und Verantwortung

Das optimale Zusammenspiel zwischen Fussballern und dem Schiedsrichter beinhaltet das Laufenlassen des Balls, das Akzeptieren eines harten, aber fairen Kampfes auf dem Feld und die unparteiische Beurteilung der Einhaltung der Regeln. Der Verwaltungsrat eines Unternehmens lässt seinen CEO ebenso laufen und akzeptiert das Ausnutzen des Spielfeldes bis zum äussersten Rand. Um jedoch im richtigen Moment intervenieren zu können und ein Foul zu erkennen, muss ein Verwaltungsrat ein grosses Wissen aller Disziplinen des Unternehmens mitbringen. Erfahrung mit konkreten Fragestellungen hilft, die korrekte Einordnung vorzunehmen. Die Interessen des Unternehmens stehen immer vor den - auch pekuniären - Interessen des CEO oder der Geschäftsleitung, und die Beurteilung von Risiken und letztlich die Verantwortung liegt immer beim Verwaltungsrat. Ein Schiedsrichter auf dem Spielfeld soll objektiv und unabhängig von grossen Namen seine Entscheide fällen und dem Spiel damit Fairness geben. Klare Regeln und Prozesse zwischen VR und CEO, verbunden mit einem objektiven Vier-Augen-Prinzip, geben Sicherheit in beide Richtungen. Der Verwaltungsrat seinerseits soll objektiv und unabhängig von grossen CEOs seine Rolle als Aufsichts- und Kontrollorgan wahrnehmen und somit das Unternehmen nachhaltig führen. Und an beiden Orten gilt: Respekt ist gut, aber Verantwortung geht vor.

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