Japan steht auf wackeligen Füssen

04.07.2019

Das Gleichgewicht wird instabiler. Das Fazit von Fiona Schlumpf in Bezug auf Japan und den anthropogenen Klimawandel ist nicht überraschend, aber beunruhigend. Es lässt sich auf viele andere Regionen der Erde übertragen. Die menschliche Zivilisation und das menschliche Leben sind verletzlicher geworden.

IDPA KlimawandelFiona Schlumpf weiss, weshalb Japan durch den Klimawandel und die Tektonik besonders exponiert ist: «Das Inselreich weist eine spezielle Lage auf. Unter Japan liegen vier Kontinentalplatten, die sich unter- und übereinander schieben. Diese Bewegungen führen dazu, dass die Erde in Japan mehrmals pro Tag bebt.» In Japan als Anrainer des Pazifischen Feuerrings sitzt man von Hokkaido bis Kyushu zudem auf einem Pulverfass. Dieser Vulkangürtel umgibt den Pazifischen Ozean an drei Seiten und ist für die meisten Eruptionen auf der Welt verantwortlich. Auch die meisten Tsunamis entstehen an tektonischen Plattengrenzen wie dem Pazifischen Feuerring. Japan ist hierfür ebenfalls besonders anfällig, wie Fukushima im Jahr 2011 zeigte.

Reizbare Vulkane

Laut den Erkenntnissen von Fiona Schlumpf brauchen Vulkane nur einen «Stupser», um auszubrechen. Was konkret kann ein solcher Stubser sein? «Ein Erdbeben oder auch der Anstieg oder das Absinken des Meeresspiegels. Auch vergletscherte Vulkane büssen durch das schmelzende Eis an Stabilität ein, was einen Ausbruch begünstigt», meint die Verfasserin der IDPA basierend auf ihren Ergebnissen. Diese Stabilitätseinbusse geschieht durch die Veränderung der Gewichtsverteilung und des Drucks durch das Schmelzen und Abfliessen von Wasser. Das Schmelzwasser – aber auch starker Regen – kann zudem zu Murgängen und Erdrutschen führen, die sich ebenfalls destabilisierend auswirken.

Menschheit spielt Vabanque

«Es hat mich nicht unbedingt erstaunt, aber doch sehr aufgewühlt, in wie vielen Bereichen der Mensch Schaden anrichten kann und dies trotz besserem Wissen auch tut. Wir sind heute so gut informiert und haben ein unglaubliches Wissen, und zwar nicht nur über den Zustand und die Veränderung, sondern auch über die Geschichte der Erde. Trotzdem ist der Mensch nicht fähig, daraus Lehren zu ziehen.» Die Einschätzung von Fiona Schlumpf zeigt, wie stark die Menschheit Vabanque spielt. Bislang sind die Industrieländer für den Grossteil der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, doch die Auswirkungen des Klimawandels sind vor allem in Entwicklungsländern spürbar. «Auch wenn uns zum Beispiel grosse Naturkatastrophen betroffen machen, so treffen sie meist Länder und Regionen, die weit weg von uns sind, und die Gefahr scheint einfach nicht greifbar genug, um wirklich etwas dagegen zu unternehmen.»

In der IDPA von Fiona Schlumpf stösst man auch auf die Eem-Warmzeit vor ca. 120 000 Jahren. Damals war es rund fünf Grad wärmer als heute. Ist der Klimawandel also – unabhängig davon, ob von Menschenhand verursacht oder nicht – halb so schlimm? «Ich denke nicht, dass der anthropogene Klimawandel dem Planeten Erde gross schaden wird, doch langfristig wird der Mensch – und wohl auch ein Grossteil der Tier- und Pflanzenwelt – daran zugrunde gehen.»

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Fiona Schlumpf verfasste ihre Diplomarbeit über das Thema Klimawandel und Tektonik am Beispiel von Japan.