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Generation «UND» auf dem Arbeitsmarkt

Die Anforderungen an Arbeitgeber werden in den Bereichen Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitszeiten, Arbeitsinhalt und Perspektiven immer anspruchsvoller. Da wo früher ein Büro mit Einrichtung, eine Stellenbeschreibung und die Standards der Anstellungsbedingungen genügen mussten, werden heute in Zeiten des so genannten Fachkräftemangels alle Wünsche der Mitarbeitenden einfach mal beim Arbeitgeber deponiert. Das Rennen macht am Schluss jener Vorgesetzte, der bei den relevanten Kriterien das Wort UND möglichst oft in sein Einverständnis mit den Bedingungen einfügen kann und dabei die Firmeninteressen nicht vergisst.

Generation und

Alles ist möglich - aber was stärkt das Team?

Das Teambüro mit eleganter Möblierung und Pflanzenwelt, der Rückzugsarbeitsplatz mit Privatsphäre und eleganter Abschirmung, die als Lounge gestaltete Chill-out-Zone mit inspirierender Mediathek und obligater Gratisverpflegung in Kombination mit dem perfekt eingerichteten Home-Arbeitsplatz für die 40% Arbeitszeit zu Hause – heute wird nicht mehr nur das Eine oder das Andere vom Arbeitgeber erwartet. Es ist die Kombination aller Varianten, die heute als Standard gilt. Und all dies selbstverständlich technisch erschlossen. Auch die Mitarbeitenden wollen mit Geräten ausgerüstet sein, welche den Einsatz überall und jederzeit erlauben. Dieselbe Vielfalt wird auch beim Inhalt der eigenen Stelle angestrebt. Die Anreicherung mit spannenden Aufgaben gepaart mit der Möglichkeit, sich aktiv zu vernetzen, und selbstredend den Chancen, sich selbst auch positiv zu vermarkten, ist heutzutage in Stellenbeschreibungen üblich, und diese wiederum weiten sich zu seitenlangen Handbüchern aus.

Grenzen definieren

Die Firmen sind also gefordert, und im Rennen um die besten Kandidaten bemühen sie sich, all diese Kombinationen und Möglichkeiten auch anzubieten. Vielfach genügen tatsächlich einfache bauliche Massnahmen, um die Büroatmosphäre zu gestalten. Oder die Erweiterung von Arbeitsinhalten ist gleichzeitig eine Lösung für die Stellvertretung im Team. Auch die Individualisierung von Arbeitsverträgen, zum Beispiel die Kombination von Teilzeitpensen in einer Abteilung, kann ganz neue Möglichkeiten für Prozesse und Dienstleistungen bieten. Behindert jedoch die Aufteilung von Aufgaben und Kompetenzen künftige Rekrutierungen oder werden die Verantwortungen für Abläufe und Projekte durch unklare Zuständigkeiten verwischt, so drängt sich aus unternehmerischer Sicht das Ziehen klarer Grenzen auf. Auch die Möglichkeiten der Arbeitsplatzgestaltung sollten der Firmensituation entsprechen. Da wo bloss ein kleiner Teil der Belegschaft aufgrund individueller Arrangements ein Angebot nutzen kann, während die restlichen Mitarbeitenden beispielsweise durch Prozesse fest vorgegebene Plätze einnehmen müssen, würde der Missmut rasch spürbar.

Die Firmeninteressen kommen zuerst

Die meisten Unternehmen legen ihre Vision schriftlich fest und leiten daraus einen definierten Firmenzweck ab. Die Mitarbeitenden sind heute für eine Vielzahl von Dienstleistungen und Produkte Garanten für Qualität, Innovation und Effizienz. Also soll und muss die erfolgreiche Führung dafür sorgen, die besten Mitarbeiter für ihr Unternehmen zu gewinnen. Die Ausgestaltung der Beziehungen zur Belegschaft soll so grosszügig sein, wie es die Prozesse und Dienstleistungen erlauben. Dennoch stehen sie immer auch in direktem Zusammenhang mit dem unternehmerischen Ziel, Gewinne zu erwirtschaften, um künftige Investitionen zu ermöglichen. Wenn also Investitionen in Mitarbeitende die Möglichkeiten eines Unternehmens am Markt verbessern, so dienen diese den Firmeninteressen direkt und an erster Stelle. Das Abwägen des UND wie auch des ODER ist die gestalterische Freiheit, welche sich Führung nennt und im Management die Diskussion auf die wichtigste Ressource lenkt – die Mitarbeitenden.

An der Schule für Wirtschaft und Management werden in verschiedenen Fächern aktuelle Themen aus den unterschiedlichsten Sichtweisen beleuchtet, damit die Studierenden fundiert und aktiv zur objektiven Meinungsbildung beitragen können.

Autor:

Bruno Sauter, Amtschef/Generaldirektor Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA), Kanton Zürich

Publiziert am 19.07.2018 im Auftrag von der Schule für Wirtschaft und Management

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