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Lernende Organisation – Erfolgsstrategie oder Unsinn?

Ein Unternehmen, das in der Lage ist, durch innere Anpassungen jederzeit den sich verändernden Anforderungen zu begegnen, bezeichnet man auch als «lernende Organisation». Wie erfolgversprechend ist dieses Modell?

lernende Organisation

Unter einer «lernenden Organisation» (LO) versteht man eine anpassungsfähige, auf äussere Reize reagierende Organisation, in der Veränderungen zum Alltag gehören. Die dort arbeitenden Menschen sind in der Lage, sich selbstständig weiterzuentwickeln. Das Unternehmen ist so flexibel, dass es seine Dienstleistungen und Produkte laufend optimieren kann. Genau genommen ist der Begriff «lernende Organisation» irreführend; letztlich können nur Menschen lernen und keine Unternehmen.

Wissen bündeln und nutzen ist nicht einfach

Wer erfolgreich wirtschaften will, fragt sich früher oder später, wie eine Organisation das Wissen aller Beteiligten bündeln und zielgerichtet nutzen kann. Die enttäuschende Antwort: Es gibt bis heute kein brauchbares Standardvorgehen. Jedes Unternehmen ist einzigartig und passt deshalb in kein Raster. Das Modell LO ist noch nicht oft in die Realität umgesetzt worden. Wie die kybernetischen Management-Modelle ist sie ein theoretisches Konstrukt. Da die fortschreitende Digitalisierung jedoch zu gravierenden Veränderungen in den Firmen führen wird, kann es durchaus sein, dass sie ein Revival erlebt.

Das Denken verändern

Eine LO aufzubauen bedeutet, dass die Beteiligten ihre mentalen Modelle und Denkmuster in Frage stellen. Das ist anstrengend, zeitintensiv und wird nicht selten sogar aktiv verweigert. Schwierig wird es, wenn Mitarbeitende nur das tun, was Vorgesetzte von ihnen verlangen, aber nicht mehr. Auch wenn – aus welchen Gründen auch immer – nur die Werte und die Meinung des Managements vertreten werden oder keinerlei Fehlerkultur herrscht, sind die Hürden hoch. Herrschen solche Einstellungen vor, sind Veränderungen im Allgemeinen nicht erwünscht. Ein gemeinsames Lernen ist unter diesen Umständen unmöglich.

Den Wandel nutzen

Das Unternehmensumfeld verändert sich immer schneller. Dies zwingt Unternehmen, sich permanent zu verändern. Eine LO kann diesen Druck mindern und positiv umwandeln. Passende Unternehmensstrukturen ermöglichen, sich öffnende Chancen umgehend nutzbar zu machen und gleichzeitig auftretende Risiken ebenso rasch zu minimieren. Menschen in solchen Unternehmen mögen die Herausforderungen eines sich stets verändernden Markts und haben gelernt, mit ihnen umzugehen.

Fünf Faktoren für eine LO

Um 1990 prägte Peter M. Senge den Begriff der «lernenden Organisation». Gemäss seiner Definition müssen fünf Faktoren vorhanden sein, damit eine LO gelingen kann:

  • Individuelle Selbstentwicklung
  • Mentale Modelle
  • Gemeinsame Vision
  • Lernen im Team

Denken in Systemen

Die fünf Punkte beeinflussen sich wechselseitig. Inzwischen existieren erweitere Aufstellungen von entscheidenden Faktoren. Eine führt beispielsweise zusätzlich die Kommunikationsfähigkeit, die Veränderungsbereitschaft sowie die Entscheidungskompetenz auf.

Lernen – ein Schlüsselfaktor

Für den Erfolg des Unternehmens ist das Lernen jedes Einzelnen von enormer Wichtigkeit. Individuelles Lernen führt zu einer Verhaltensänderung der Lernenden, indem sich ihr mentales Modell schrittweise ändert. Ohne entsprechende Koordination bzw. eine Bündelung des Wissens und der vorhandenen Lernimpulse ist eine LO nur schwer umsetzbar.

An der Schule für Wirtschaft und Management werden in verschiedenen Fächern aktuelle Themen aus den unterschiedlichsten Sichtweisen beleuchtet, damit die Studierenden fundiert und aktiv zur objektiven Meinungsbildung beitragen können.

Autor:

Frédéric Jordan, Jordan Consulting

Publiziert am 14.06.2017 im Auftrag von der Schule für Wirtschaft und Management

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