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Prüfungsängste lassen sich beherrschen

Ruth KlemmDossierfestigkeit ist eine wichtige Grundlage. Sie allein reicht jedoch nicht, um einer Prüfungssituation gewachsen zu sein. Die Fähigkeit, sich in entscheidenden Momenten zu entspannen, um der Nervosität und dem Lampenfieber entgegenzuwirken, will vorgängig auch geübt sein. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Schulpsychologin Dr. Ruth Etienne Klemm weiss.

Angst ist ein Urgefühl und prinzipiell ein gut funktionierendes, natürliches Warnsystem, das bereits der Homo sapiens kannte und das seine Überlebenschancen in grauer Vorzeit sichern half. Tauchte zum Beispiel plötzlich ein Bär auf, dann musste die Angst unmittelbar vor Gefahr warnen, ja sogar den Kopf ausschalten. Nur mit einer sofortigen Reaktion konnten unsere Vorfahren sich für Flucht oder Kampf entscheiden. Fazit: In Bedrohungssituationen muss das Stammhirn das Kommando übernehmen, rationales Abwägen würde viel zu viel kostbare Zeit erfordern und die steht, wenn der Bruchteil einer Sekunde über Sein oder Nichtsein entscheidet, nicht zur Verfügung.

Doch - und diese Erkenntnis ist wichtig - selbst beim zweiten Anlauf, sei es an einem Anwaltsexamen, einer Matura oder einer Lehrabschlussprüfung, steht weder ein Bär vor der Türe noch steht
gleich viel auf dem Spiel. La vie continue… Es ist im Gegenteil wichtig, dass rationales Überlegen und Abwägen in der Kommandozentrale weiterhin funktionieren und dies braucht die Fähigkeit zur
Entspannung.

Verbissenheit vermeiden

Eine seriöse Vorbereitung nach bestem Wissen und Gewissen ist ein guter Dompteur der Prüfungsangst. Dossierfestigkeit senkt das Risiko, dass man in einer Prüfungssituation aus der Rolle fällt. Das ist ein starkes Argument für Zuversicht. Dem pflichtet Ruth Etienne Klemm bei, doch sie nuanciert: «Den Stoff zu beherrschen, ist das Eine. Zugleich aber muss man sich während des Lernens
genügend Entspannung, genügend Ausgleich verschaffen.» Wer verbissen an pausenlosem Lernen um jeden Preis festhält, sich gedanklich (und körperlich) keine Erholung mehr gönnt, wird eventuell kritischen Momenten während Prüfungen weniger souverän gewachsen sein. Denn in solchen Augenblicken geht es darum, die Selbstkontrolle zu behalten oder sie gekonnt zurückzugewinnen. Diese Fähigkeit kommt aber ebenso wenig von selbst wie fachliche Sattelfestigkeit. Beides muss vorgängig trainiert werden.

Nützliches Lampenfieber

Bei Prüfungen ist es ähnlich wie bei Bewerbungsgesprächen oder bei einem Stellenantritt. Man will, soll - und kann - sich bewähren. Ruth Etienne Klemm: «Die dabei entstehende Anspannung und
Angst kennen wir alle - sie heisst Lampenfieber.» Selbst altgediente Bühnenprofis wie der US-Schauspieler und Talkmaster Dick Cavett (* 1936) bekennen, dass sie vor jedem Auftritt nervös sind. Einmal mehr, einmal weniger. Cavett meint, man solle Lampenfieber nicht tragisch nehmen. Es dringe weniger nach aussen, als man denke. Er erklärt das so: «Sie sollten einfach wissen: Von dem, was Sie fühlen, sieht der Zuschauer nur ein Achtel. Wenn Sie innerlich ein bisschen nervös sind, sieht das kein Mensch. Wenn Sie innerlich sehr nervös sind, sehen Sie nach aussen ein bisschen nervös aus.»

Bei mündlichen Prüfungen sind die Expertinnen und die Experten das Publikum. Und bei schriftlichen Prüfungen - das sind ja die meisten Klausuren - gibt es ohnehin kein Gegenüber, das unsere
Mimik und Gestik «observiert». Ruth Etienne Klemm sieht beim Phänomen Lampenfieber sehr viel Positives: «Lampenfieber ist ein Zustand, in dem wir mit grösster Aufmerksamkeit und wachsam voll bei uns und bei der Sache sind.» Maximale Fokussierung auf die Aufgabe fördert unsere Konzentration und unser Potenzial.

Ausprobieren lohnt sich

Fokussiertes Lernen ist das erstrebenswerte Korrelat zur Verbissenheit. Damit wir fokussiert lernen können, hängt wiederum viel von der bereits angesprochenen Entspannung, von der Balance im Leben und beim Lernen ab. Dafür ist einerseits ein guter Lernplan wichtig, der Pausen beinhaltet und auch kein Open-End-Lernen vorsieht. Andererseits geht es darum, den für sich richtigen Entspannungsweg zu finden und zu trainieren. Ein breites Spektrum an Möglichkeiten steht dazu offen: von Atemübungen über Yoga, Meditation und autogenes Training bis zur «gehenden Bewegung», das heisst Joggen oder Spazieren. Fokussierung lässt sich zudem auch durch mentales Training üben. Ruth Etienne Klemm verweist auf Spitzensportler wie zum Beispiel Skirennprofis:
«Sie stellen sich innerlich, imaginativ eins zu eins die Abfahrt bis ins letzte Detail vor, wie sie das Rennen vom Start bis zum Ziel perfekt meistern und so auf einen Podestplatz fahren.»

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