Albert Camus: „Die Pest“ und was der Roman mit uns und unserer Zeit zu tun hat

Der algerisch-französische Schriftsteller Albert Camus (* 1913, † 1960) veröffentlichte nach fünfjähriger schriftstellerischer Arbeit im Jahre 1947 den Roman „Die Pest“ (franz. „La Peste“). Der erfolgreiche Roman befasst sich im Kern mit dem Ausbruch einer Pestepidemie und den unterschiedlichen Wirkungen auf die Menschen in der betroffenen Stadt.

Beat Ambord

18. November 2022

Nach anfänglich ein paar toten Ratten und wenigen Fällen einer bislang nicht bekannten Krankheit, breitet sich die Pest rasend schnell in der Stadt aus. Die Reaktionen der Menschen bewegen sich zwischen Verharmlosung, Panik, Aktionismus, Gottvertrauen, Hilflosigkeit und den Bemühungen um eine Eindämmung und schlussendlich Bekämpfung der Epidemie. Dabei nehmen die unterschiedlichen Akteure ebenso unterschiedliche Haltungen ein.

Wie mörderisch die Epidemie ist, wird aber erst klar, als deutlich wird, dass die Pest Kinder und alte genauso hinrafft wie Arme und Reiche. Tragendes Element im Roman „Die Pest“ ist aber die Solidarität unter den Menschen, die auch solche Individuen erfasst, die Flucht als den einzigen Ausweg aus der eigenen Betroffenheit sehen.

Wirkungen auf die heutige Zeit

Der Roman „La Peste“ ist zumindest in Frankreich auch heute noch Pflichtlektüre in der Schule. Besonders interessant wird der Roman dann, wenn man sich auf Erkundungssuche zu den Rückschlüssen für die heutige Zeit begibt.

Besonders in den Jahren 2020 und 2021 forderte die weltweite Corona-Pandemie bislang noch nicht klar definierte Zahlen an Infizierten, Erkrankten und Todesopfern. Und auch 2022 ist die Corona-Pandemie nicht endgültig besiegt und führt trotz vorhandener Impfstoffe und eines neuen Bewusstseins der meisten Menschen zu immer neuen Ausbrüchen. Ende offen.

Ähnlich wie im Roman „Die Pest“ von Albert Camus erleben wir auch heute die ganze Spielbreite der menschlichen Reaktionen auf eine tödliche Gefahr. Corona-Leugner, Impfgegner, Verharmloser und Alles-wird-gut-Gläubige stehen sich gegenüber mit Politikern, Medizinern, Impfstoff-Entwicklern, Vorsichtigen, Ängstlichen und denen, die die Pandemie als das verstehen was sie ist, eine Gefahr.

Und auch heute wird wieder deutlich, dass es insbesondere die Solidarität innerhalb der menschlichen Gesellschaft ist, die als wirksames Mittel im Zusammenspiel mit Wissenschaft, Medizin und Politik solche weltweit wirkenden Pandemien bekämpfen hilft. Immer auch in dem Wissen, dass Solidarität letztlich auch die rücksichtsvolle, bewusst mit Verzicht verbundene und eine die Menschen verbindende Kraft der gegenseitigen Rücksichtnahme und Unterstützung ist.