Houdini – gestern Idol, heute Popstar

Kreischende Fans, begeisterte und überraschte Menschen aus allen gesellschaftlichen Gruppen und Schichten sind das, wovon so manche Künstler träumen. Und wenn solcher Ruhm über die Lebenszeiten hinausreicht, dann ist der Status eines echten Idols erreicht.

Gelungen ist das dem amerikanischen Entfesselungs- und Zauberkünstler Harry Houdini, der am 24. März 1874 als Erik Weisz im ungarischen Budapest geboren wurde. Könnten Menschen so lange leben, wäre Houdini jetzt gute 150 Jahre alt, verstarb aber bereits mit 52 Jahren 1926 in Detroit.

22. Juli 2025
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Houdini lebt weiter

Bis heute kennt fast jeder den Namen Houdini und selbst in der aktuellen Pop-Musik macht Dua Lipa dem weltberühmten Magier eine ganz spezielle Aufwartung. In ihrer Hommage «Houdini» beschreibt Dua Lipa einen Menschen, der in seiner Beziehung immer wieder kommt und geht und darauf besteht, dass sich der Gegenpart immer wieder etwas Besonderes einfallen lassen muss, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Dabei wird Houdini in einem überlieferten Sprachgebrauch eingesetzt, der «to houdinize» mit Entkommen gleichsetzt. Es geht also darum, eine Beziehung zu gestalten, aus der es nach Möglichkeit kein Entkommen gibt.

Das passt in beeindruckender Weise zum Lebenswerk von Harry Houdini, der in seiner Zeit vor allem als Entfesselungskünstler zu Ruhm und Ehren gekommen ist.

Aus dem Zirkuszelt in die Welt

Dabei begann der Ruhm in relativ kleinen Tranchen als eher erfolgloser Zirkusartist, steigerte sich aber exorbitant bis zum Weltruhm mit eigens von und für ihn produzierten Shows. Zuerst befreite sich Houdini immer wieder aus speziellen Handschellen, später liess er sich mit allem möglichen Fesselungsmaterial bis hin zur Zwangsjacke fesseln und entkam immer wieder. Selbst Entfesslungen unter Wasser oder kopfüber an Wolkenkratzern hängend gelangen dem neuen Superstar der Künstlerszene immer wieder. Zu einem wahren Top-Event wurde das Verschwinden eines Elefanten auf dem Times Square, was mit einer gesondert konstruierten Kiste umgesetzt wurde.

Magier oder Lebenskünstler?

In der eigentlichen Magie war Houdini eher erfolglos. Spirituelle Momente und schlechte Zaubertricks mochte er gar nicht und setzte viel lieber auf Körperbeherrschung und Fokussierung, was ihm unter anderem auch einen Weltrekord im Überleben in einem luftdicht geschlossenen Sarg einbrachte.

Sein Tod hingegen war deutlich unspektakulärer, als sein Leben. Harry Houdini verstarb am 31. Oktober 1926 ursächlich an einem Blinddarmriss. Dem Tod selbst konnte er also nicht entkommen.

Zu seiner Zeit galt Houdini als echtes Idol und Supermann, heute wird sein Vermächtnis von vielen Künstlern im Zirkus, in Varietés, im Film, aber auch in der Popmusik wieder aufgegriffen. So lässt sich behaupten, dass Houdini tatsächlich ein Star war und ein Idol ist, dessen Kunst weit über seine eigentliche Lebenszeit hinaus wirkt.