Teilen statt kaufen: Sharing Economy kurz erklärt

Güter und Dienstleistungen zu teilen, statt sie zu besitzen: Die Sharing Economy macht es möglich. Weltweit begeistern sich immer mehr Menschen für diese Idee.

Raphaela Haenggi

17. Oktober 2022

Was bedeutet Sharing Economy?

Immer mehr Menschen mieten und vermieten Güter und Dienstleistungen über digitale Plattformen, statt diese nur für sich selbst zu beanspruchen. Aus Kaufen wird Benutzen. Das Konzept der Wirtschaft des Teilens ermöglicht eine effizientere Verteilung von Ressourcen und fordert unser Verständnis von Besitz und Eigentum heraus. Das Internet bietet die technischen Möglichkeiten: Mithilfe von Apps können Angebote und Dienstleistungen sekundenschnell gefunden werden. Bekannte Beispiele sind Fahrservices wie Uber sowie das Vermieten und Mieten von Wohnungen auf AirBnb oder die neusten Filme und Serien auf Netflix. Zu den Nutzniesser*innen gehören aber nicht nur Unternehmen, denn auch private Anbieter*innen können ihre Güter oder Fähigkeiten einem grossen Netzwerk zur Verfügung stellen.

Chancen und Risiken

Sharing-Angebote überzeugen durch oft grosse Auswahl, sind vielfach günstiger, benutzerfreundlich gestaltet und suggerieren, nachhaltig zu sein. Für private Anbieter*innen eröffnet die Sharing Economy neue Verdienstmöglichkeiten, mehr Austausch und soziale Kontakte, während Unternehmen Chancen auf relativ hohe Gewinne bei eher tiefen Investitionskosten sehen. Im Gegensatz zur Profitmaximierung bei den Unternehmen haben private Anbieter*innen oft eine konsum- und wachstumskritische Einstellung. Sie sehen Eigentum als Belastung und stellen die Senkung des Ressourcenverbrauchs sowie einen stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt. Für sie gilt: Wer ausleiht, statt besitzt, ist unabhängiger und flexibler.

Trotz zahlreicher Vorteile gibt es auch Kritik an der Sharing Economy. Eine im Januar 2022 erschienene Studie von Forschenden der ETH Zürich und dem IARAI in Wien zeigt, dass E-Trottis und E-Bikes zum Ausleihen wenig klimafreundlich sind. Die beliebten Transportmittel stossen unter dem Strich mehr CO2 aus als jene Fahrzeuge, die sie ersetzen. Eine weitere Schwäche des Konzepts zeigt eine Studie der ING von 2020. Demnach neigen Verbraucher*innen dazu, geteilte Produkte schneller wegzuwerfen oder zu ersetzen als solche, die sie allein besitzen. Noch ungeklärt sind die umweltbelastenden Verschiebungseffekte (Rebound-Effekte) von preisgünstigen Sharing-Angeboten, wenn diese zu mehr Konsum führen. Auch stehen private Anbieter*innen vor einer finanziellen Herausforderung, weil sie als Freiberufliche oder Selbstständige nicht abgesichert sind.