Chuzpe. Hast auch du etwas davon?
Was ist Chuzpe? Und wie viel davon steckt auch in dir? Wir schauen genauer auf den Begriff und was das mit dem einzelnen Menschen zu tun hat.
Was ist Chuzpe? Und wie viel davon steckt auch in dir? Wir schauen genauer auf den Begriff und was das mit dem einzelnen Menschen zu tun hat.
Chuzpe ist ein Begriff aus dem jiddischen Sprachgebrauch und gar nicht selten verwendet. «Du bist ein Chuzpe.» oder «Was für eine Chuzpe?», hören wir immer wieder und so mancher weiss gar nicht so genau, was er damit anfangen soll. Je nach Verständnis verbinden wir Chuzpe mit einem Schimpfwort oder können uns mit einer guten Portion Chuzpe sogar geehrt fühlen.
Was aber heisst und was ist Chuzpe? Chuzpe ist eine mehr oder weniger freundliche Umschreibung von Dreistigkeit, Unverfrorenheit oder Frechheit. Was hier zunächst etwas abwertend klingt, kann aber durchaus auch positive Züge haben und bringt den einen oder anderen in den unterschiedlichsten Bereichen voran.
Der Parkplatz ist voll, da und dort warten schon einige auf die nächste frei werdende Lücke. Du kommst in diese Situation hinein und schnappst dir die erstbeste Parkmöglichkeit, die frei wird. Dabei warten andere mit gesetztem Blinker schon viel länger darauf. Eine wahre Frechheit meinen die anderen, dir verkürzt es die Wartezeit und du kommst pünktlich zu deinem Termin. Was scheren dich die anderen? Eine ganz schöne Dreistigkeit, aber immer wieder zu beobachten.
In der Metzgerei gibt es feinen Schinken, aber allzu viel ist davon nicht mehr da. Schon in der Warteschlange hast du gehört, dass die meisten hier genau wegen dieses Schinkens anstehen. Und auch wenn du eigentlich nur 500 Gramm haben wolltest, nimmst du doch gleich die letzten zwei Kilo. Die anderen hinter dir gucken in die Röhre. Ganz schön frech, aber so hast du länger mehr genussvollen Spass am Gourmet-Schinken.
Oder du schnappst einer älteren Dame in der Tram schnell noch den letzten freien Platz weg. Warum solltest auch du gerade stehen müssen? Ganz schön unverfroren.
Solche und ähnliche Begebenheiten gibt es jeden Tag und zeigen, dass in jedem von uns auch ein gutes Stück an Chuzpe steckt. Nicht, weil wir generell rücksichtslos oder egoistisch wären, sondern weil heutzutage bestrebt ist, irgendwie sein Stück vom grossen Kuchen abzubekommen. Das ist in der menschlichen Psyche entwicklungspsychologisch so angelegt. Und schlussendlich ist Chuzpe auch die Fähigkeit, sich über gewisse Grenzen hinwegzusetzen und somit Neues zu probieren.
Was im zwischenmenschlichen Miteinander eher als störend und unangemessen gilt, kann im unternehmerischen oder geschäftlichen Umfeld durchaus förderlich sein. Oftmals sind es genau die Menschen mit einer guten Portion Chuzpe, die beruflich und geschäftlich erfolgreicher sind. In einer Gesellschaft, in der jeder seinen besten Platz in der Hierarchie oder unter der Sonne erobern will, ist Chuzpe oftmals das scheinbar einzige Mittel, um voranzukommen. Je nach Sichtweise können also Frechheit, Dreistigkeit und Unverfrorenheit durchaus probate Mittel zum Erreichen eines Ziels sein. Und dabei kann der eigene Erfolg durchaus auch vielen weiteren Menschen helfen, im Leben vorwärtszukommen. Immerhin dürfen wir Chuzpe auch als Kühnheit verstehen, was nicht selten eine wahre Tugend sein kann.
Hier eine klare Haltung zu finden, ist gar nicht so einfach. Geht es um das zwischenmenschliche Miteinander in unserer Gesellschaft, wäre ein bisschen weniger Chuzpe in jedem von uns durchaus hilfreich. Wer aber auf Chuzpe vollkommen verzichten will, wird oftmals das Nachsehen haben. Vielleicht sollte jeder von uns nur dann seine Chuzpe nutzen, wenn er anderen damit nicht schadet. Bleibt nur eine Frage offen: Wie viel Chuzpe steckt in dir? Diese Frage kann wohl jeder nur für sich selbst beantworten. Und was der eine zu viel hat, darf der andere gern mehr haben.