Lehre, Gymnasium oder Studium: Wie wähle ich den richtigen Weg?

Ob nach der Schule oder mitten im Berufsleben: Viele Menschen in der Schweiz stehen vor der Frage: Lehre oder Studium? Das Bildungssystem bietet zahlreiche Wege, sich zu entwickeln, von der Lehre über die Matura bis zum Studium im Erwachsenenalter. Entscheidend ist, welcher Lernweg zu den eigenen Zielen und Lebensumständen passt.

Entdecken Sie, wo die Unterschiede zwischen Lehre und Studium liegen, welche Mischformen und Weiterbildungswege es gibt und wie Berufseinsteigende und auch Berufserfahrene den für sich passenden Bildungsweg finden können.

Lukas Stein

24. März 2026
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Die Berufsausbildung – der praktische Einstieg ins Berufsleben

Die Berufsausbildung, auch Lehre genannt, ist der praxisorientierte Einstieg ins Berufsleben. Sie verbindet praktische Arbeit in einem Betrieb mit theoretischem Unterricht an der Berufsschule – das sogenannte duale Bildungssystem.

Was eine Lehre ausmacht

Während der Ausbildung übernehmen Lernende von Anfang an Aufgaben im Berufsalltag und sammeln wertvolle Praxiserfahrung. Gleichzeitig erwerben sie in der Berufsschule das notwendige Fachwissen und erweitern ihre Allgemeinbildung.

Nach drei bis vier Jahren schliessen die meisten Lernenden ihre Lehre mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab, einem anerkannten Abschluss, der viele Türen öffnet. Mit dem EFZ ist der direkte Einstieg in den Arbeitsmarkt möglich – häufig sogar im eigenen Lehrbetrieb.

Die Berufslehre schafft eine solide Basis für den Berufseinstieg und eröffnet zahlreiche Weiterbildungswege: von der Berufsmatura (BM) über die höhere Fachschule (HF) bis hin zur Fachhochschule (FH).

Vorteile einer Berufsausbildung

Eine Lehre hat viele Vorteile, besonders für alle, die gerne praktisch arbeiten, Verantwortung übernehmen und früh selbstständig sein möchten.

  • Früher Berufseinstieg und eigenes Einkommen: Lernende verdienen bereits während der Ausbildung einen Lohn und sammeln gleichzeitig wertvolle Berufserfahrung.
  • Praxisnahes Lernen: Das duale System ermöglicht es, Wissen direkt im Alltag anzuwenden. Das Gelernte bleibt dadurch besser verankert und nachvollziehbar.
  • Schnelle Verantwortungsübernahme: Viele Betriebe fördern ihre Lernenden aktiv und geben ihnen die Chance, früh eigene Aufgaben oder Projekte zu übernehmen.

Mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ist der Bildungsweg noch lange nicht zu Ende. Absolventinnen und Absolventen einer Lehre können sich auf verschiedenen Stufen weiterqualifizieren, etwa mit der Berufsmatura (BM), die den Zugang zu Fachhochschulen (FH) ermöglicht, oder mit einer Ausbildung an einer höheren Fachschule (HF), die auf praxisorientierte Führungsaufgaben vorbereitet. Wer den schulischen Weg bevorzugt, kann mit der Passerelle oder einer weiteren Matura sogar an Universitäten wechseln.

Tipp: Wenn Sie sich für eine Lehre entscheiden, profitieren Sie vom direkten Praxisbezug. Gleichzeitig können Sie sich durch gezielte Weiterbildungen weiterentwickeln, ganz im Sinne des lebenslangen Lernens, das das Schweizer Bildungssystem besonders fördert.

Das Gymnasium – der schulische Weg zur Matura

Das Gymnasium ist der akademisch geprägte Bildungsweg in der Schweiz und führt in der Regel nach vier Jahren zur gymnasialen Matura. Diese berechtigt zum direkten Eintritt an Universitäten, Pädagogische Hochschulen und Fachhochschulen. Der Unterricht ist breit angelegt und fördert sprachliche, naturwissenschaftliche und analytische Fähigkeiten. Neben der Allgemeinbildung steht auch das Erlernen von Lernstrategien und selbstständigem Arbeiten im Vordergrund, die wichtige Kompetenzen für das spätere Studium darstellen.

Wer bereits ein Gymnasium besucht hat oder über fundierte Kenntnisse in mehreren Maturafächern verfügt, kann mit dem Kurz-Matura-Lehrgang den gymnasialen Abschluss in nur einem bis eineinhalb Jahren berufsbegleitend nachholen.

Nach dem Abschluss eröffnen sich verschiedene Wege: Viele Maturandinnen und Maturanden beginnen ein Studium an einer Hochschule, während andere eine Lehre oder Berufsausbildung wählen, um praktische Erfahrung zu sammeln. Auch ein Zwischenjahr, ein Sprachaufenthalt oder ein Praktikum sind beliebte Übergänge, um Interessen weiter zu klären.

Sie sind sich nicht sicher, ob die gymnasiale Matura zu Ihnen passt? Es gibt auch andere Wege, um einen anerkannten Abschluss zu erlangen, etwa über die verschiedenen Maturitätsformen in der Schweiz.

Das Studium – der akademische Weg zur höheren Qualifikation

Ein Studium ist der akademische Bildungsweg, der an eine gymnasiale oder Berufsmatura anschliesst. Hochschulen, Fachhochschulen oder Universitäten vermitteln vertieftes theoretisches Wissen in einem bestimmten Fachgebiet.

Was ein Studium ausmacht

Studierende lernen, komplexe Zusammenhänge zu analysieren, kritisch zu hinterfragen und selbstständig wissenschaftlich zu arbeiten. Studien zeigen, dass Hochschulbildung nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch kritisches Denken und Problemlösungsfähigkeit fördert.* Je nach Studienrichtung stehen neben theoretischem Unterricht auch Praxisphasen, Forschungsprojekte oder Praktika auf dem Programm.

Am Ende eines Grundstudiums steht in der Regel der Bachelorabschluss, der den Einstieg ins Berufsleben oder den Zugang zu weiterführenden Studien wie dem Master ermöglicht. Je nach Hochschule und Fachrichtung dauert ein Studium zwischen drei und fünf Jahren.

*Frontiers in Psychology. (2024, 9. September). University students’ cognitive flexibility and critical thinking dispositions. Educational Psychology, 15. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2024.1420272

Vorteile eines Studiums

Ein Studium bietet zahlreiche Chancen für Ihre persönliche und berufliche Entwicklung, besonders, wenn Sie sich langfristig spezialisieren oder Führungsverantwortung übernehmen möchten.

  • Vertieftes Fachwissen und wissenschaftliches Denken: Studierende erwerben fundierte Kenntnisse und lernen, komplexe Fragestellungen analytisch zu bearbeiten.
  • Breite Karriereperspektiven: Viele akademische Berufe, etwa in Forschung, Wirtschaft, Verwaltung oder Pädagogik, setzen ein Studium voraus.
  • Persönliche Weiterentwicklung: Neben Fachkompetenz fördert das Studium Selbstständigkeit, kritisches Denken und Problemlösungsfähigkeit. Diese Fähigkeiten sind in fast jedem Berufsfeld gefragt.
  • Zugang zu höheren Bildungsstufen: Ein Bachelor eröffnet den Weg zu einem Master, einer Spezialisierung oder zur Weiterbildung an einer höheren Fachschule (HF).

Tipp: Ein Studium lohnt sich besonders, wenn Sie Freude an Theorie, Analyse und langfristigem Lernen haben. Kombinieren Sie Ihr Studium proaktiv mit praktischer Erfahrung, etwa durch Praktika oder Teilzeitstellen, und wenden Sie Ihr Wissen direkt im Berufsalltag an.

Lehre vs. Studium: Wie finde ich den passenden Weg?

Die Wahl zwischen Lehre und Studium ist keine einfache Entscheidung – und selten endgültig. Vielmehr geht es darum, den Weg zu wählen, der zu den eigenen Stärken, Interessen und Lebenszielen passt.

Mischformen und Alternativen – Theorie und Praxis kombinieren

Das Schweizer Bildungssystem bietet zahlreiche Möglichkeiten, Praxis und Theorie zu verbinden. Wer sich nicht zwischen Ausbildung oder Studium entscheiden möchte, findet in diesen Bildungswegen attraktive Kombinationen mit grosser Durchlässigkeit in beide Richtungen.

Lehre mit Berufsmatura (BM)

Die Lehre mit Berufsmatura (BM) ist eine ideale Wahl für alle, die praktische Berufserfahrung sammeln und gleichzeitig ihre schulische Bildung erweitern möchten. Sie verbindet eine Berufsausbildung im Betrieb mit dem Erwerb der Berufsmaturität, die später den Zugang zu Fachhochschulen (FH) ermöglicht.

So profitieren Lernende doppelt: Sie verdienen bereits während der Ausbildung ein Einkommen, sammeln Praxiserfahrung und schaffen gleichzeitig die Grundlage für ein späteres Studium.

Matura für Erwachsene

Auch später im Leben ist es nie zu spät, den schulischen Weg einzuschlagen. Mit der Gymnasialen Matura für Erwachsene können Berufstätige oder Quereinsteigende ihren Maturitätsabschluss nachholen, unabhängig von Alter oder Vorbildung.

Diese Form des Lernens ist besonders flexibel und ermöglicht es, sich individuell auf die Prüfungen vorzubereiten, oft im Selbststudium oder mit begleitenden Kursen. Damit steht auch Erwachsenen der Weg zu Hochschulen oder Fachhochschulen offen.

Passerelle und Weiterbildungen

Die Passerelle bietet Absolventinnen und Absolventen einer Berufsmatura einen direkten Weg an die Universität. Nach einer einjährigen Vorbereitung und bestandener Prüfung steht Ihnen der Zugang zu universitären Studien offen.

Zudem eröffnen höhere Fachschulen (HF) praxisorientierte Studiengänge für Berufserfahrene. Diese Abschlüsse, etwa in Betriebswirtschaft, Sozialpädagogik oder Wirtschaftsinformatik, kombinieren Berufspraxis mit fundiertem theoretischem Wissen und sind in der Schweizer Bildungslandschaft hoch anerkannt.

Fazit: Zwei Wege, ein Ziel

Der Unterschied zwischen Ausbildung und Studium liegt vor allem im Lernansatz: Während die Ausbildung praxisnah und berufsorientiert ist, vermittelt das Studium theoretisches Wissen und wissenschaftliche Kompetenzen. Beide Wege führen jedoch zu anerkannten Abschlüssen und eröffnen vielfältige Perspektiven für die berufliche Zukunft.

Welche Option besser zu Ihnen passt, hängt von Ihren Interessen, Zielen und Lerngewohnheiten ab. Wer früh praktische Erfahrung sammeln möchte, wählt mit einer Lehre einen direkten Einstieg ins Berufsleben. Wer sich für Theorie, Forschung oder analytische Aufgaben begeistert, findet im Studium die passende Grundlage.

Das Besondere am Schweizer Bildungssystem: Es ist durchlässig und flexibel. Vom EFZ über die Berufsmatura bis hin zum Hochschulabschluss, jede Etappe kann an die nächste anschliessen. So wird lebenslanges Lernen möglich, ganz gleich, ob Sie mit einer Lehre oder einem Studium starten.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Lehre und Lehre mit Matura?

Bei einer Lehre absolvieren Lernende eine praktische Berufsausbildung und schliessen mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab. Die Lehre mit Berufsmatura (BM) kombiniert die gleiche praktische Ausbildung mit zusätzlichem Schulunterricht. Mit der Berufsmatura erhalten Absolventinnen und Absolventen Zugang zu Fachhochschulen und weiteren Weiterbildungen. Sie verbindet also Praxis und Theorie.

Was ist der Vorteil vom Gymnasium?

Das Gymnasium vermittelt eine breite Allgemeinbildung und bereitet gezielt auf ein späteres Studium an Universitäten oder Fachhochschulen vor. Es bietet Zeit, verschiedene Interessen zu vertiefen und eigene Lernmethoden zu entwickeln. Zudem eröffnet die Matura den direkten Zugang zu Hochschulen ohne weitere Zwischenstufen.

Kann man nach dem Gymnasium eine Lehre machen?

Ja, das ist problemlos möglich. Viele Gymnasiastinnen und Gymnasiasten entscheiden sich nach der Matura bewusst für eine Lehre, um praktische Erfahrung zu sammeln oder einen Beruf von Grund auf zu erlernen. In manchen Fällen dient sie auch als Einstieg in ein duales Studium oder als Orientierung vor dem Hochschulstart.

Ist es besser zu studieren oder eine Ausbildung zu machen?

Das hängt von den persönlichen Zielen und Interessen ab. Eine Ausbildung eignet sich für alle, die praxisnah arbeiten und früh Berufserfahrung sammeln möchten. Ein Studium ist ideal für Personen, die sich theoretisch vertiefen, forschen oder langfristig eine akademische Laufbahn anstreben.

Was ist mehr wert – Ausbildung oder Studium?

In der Schweiz sind Ausbildung und Studium gleichwertige, aber unterschiedliche Bildungswege. Der «Wert» hängt vom Berufsziel und der Branche ab: Praktische Berufe wie Technik, Handwerk oder Pflege bauen auf Ausbildungserfahrung auf, während akademische Laufbahnen meist ein Studium erfordern. Entscheidend ist, was besser zu den eigenen Stärken und Zielen passt.

Quellen:
Frontiers in Psychology. (2024, 9. September). University students’ cognitive flexibility and critical thinking dispositions. Educational Psychology, 15. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2024.1420272

Alternative Bildungsmöglichkeiten

Berufsmaturität Wirtschaft und Dienstleistungen

Abschluss

Eidgenössisch anerkannte Berufsmaturität

Dauer

2 - 4 Semester

Lernort

Zürich, Bern, ortsunabhängig

Durchführungs-
variante

Selbststudium (100 %) oder Selbststudium + Unterricht mit Lehrpersonen vor Ort und online (=Blended Learning)

Berufsmaturität Gesundheit und Soziales

Abschluss

Eidgenössisch anerkannte Berufsmaturität

Dauer

2 - 4 Semester

Lernort

Zürich, Bern, ortsunabhängig

Durchführungs-
variante

Selbststudium (100 %) oder Selbststudium + Unterricht mit Lehrpersonen vor Ort und online (=Blended Learning)

Berufsmaturität Technik, Architektur, Life Sciences

Abschluss

Eidgenössisch anerkannte Berufsmaturität

Dauer

2 - 4 Semester

Lernort

Zürich, Bern, ortsunabhängig

Durchführungs-
variante

Selbststudium (100 %) oder Selbststudium + Unterricht mit Lehrpersonen vor Ort und online (=Blended Learning)

Berufsmaturität Gestaltung & Kunst

Abschluss

Eidgenössisch anerkannte Berufsmaturität

Dauer

2 - 3 Semester

Lernort

Zürich, Bern

Durchführungs-
variante

(Blended Learning) mit Lehrpersonen vor Ort und online

Gymnasiale Maturität – Schweizerische Maturität

Abschluss

Maturität

Dauer

6 Semester (3 Jahre)

Lernort

Zürich, ortsunabhängig

Durchführungs-
variante

Präsenzunterricht und strukturiertes Selbststudium

Gymnasiale Maturität – Matura für Erwachsene, Hausmatura, schweizerisch anerkannt

Abschluss

Maturität

Dauer

6 Semester (3 Jahre)

Lernort

Zürich

Durchführungs-
variante

Präsenzunterricht

Passerelle

Abschluss

Ergänzungsprüfung Passerelle Berufs-/Fachmaturität – universitäre Hochschulen

Dauer

2 Semester (1 Jahr)

Lernort

Zürich, Bern

Durchführungs-
variante

Präsenzunterricht

Berufsmaturität Wirtschaft und Dienstleistungen

Abschluss

Eidgenössisch anerkannte Berufsmaturität

Dauer

2 - 4 Semester

Lernort

Zürich, Bern, ortsunabhängig

Durchführungs-
variante

Selbststudium (100 %) oder Selbststudium + Unterricht mit Lehrpersonen vor Ort und online (=Blended Learning)

Berufsmaturität Gesundheit und Soziales

Abschluss

Eidgenössisch anerkannte Berufsmaturität

Dauer

2 - 4 Semester

Lernort

Zürich, Bern, ortsunabhängig

Durchführungs-
variante

Selbststudium (100 %) oder Selbststudium + Unterricht mit Lehrpersonen vor Ort und online (=Blended Learning)

Berufsmaturität Technik, Architektur, Life Sciences

Abschluss

Eidgenössisch anerkannte Berufsmaturität

Dauer

2 - 4 Semester

Lernort

Zürich, Bern, ortsunabhängig

Durchführungs-
variante

Selbststudium (100 %) oder Selbststudium + Unterricht mit Lehrpersonen vor Ort und online (=Blended Learning)

Berufsmaturität Gestaltung & Kunst

Abschluss

Eidgenössisch anerkannte Berufsmaturität

Dauer

2 - 3 Semester

Lernort

Zürich, Bern

Durchführungs-
variante

(Blended Learning) mit Lehrpersonen vor Ort und online

Gymnasiale Maturität – Schweizerische Maturität

Abschluss

Maturität

Dauer

6 Semester (3 Jahre)

Lernort

Zürich, ortsunabhängig

Durchführungs-
variante

Präsenzunterricht und strukturiertes Selbststudium

Gymnasiale Maturität – Matura für Erwachsene, Hausmatura, schweizerisch anerkannt

Abschluss

Maturität

Dauer

6 Semester (3 Jahre)

Lernort

Zürich

Durchführungs-
variante

Präsenzunterricht

Passerelle

Abschluss

Ergänzungsprüfung Passerelle Berufs-/Fachmaturität – universitäre Hochschulen

Dauer

2 Semester (1 Jahr)

Lernort

Zürich, Bern

Durchführungs-
variante

Präsenzunterricht